Dieser Tage war ein Ärzteteam unserer Mission im Urwald. Bisher kann der Ort nur mit dem Flieger erreicht werden, aber sie sind schon kräftig dabei eine Straße dorthin zu bauen. Gerufen wurden sie von den dortigen Lehren einer Sekudaria, also einer weiterführenden Schule bis zum ecuatorianischen Abitur. Die Mediziner sollten die Schüler untersuchen. Das klang alles gut, bis das Team dort ankam und mit den wirklichen Tatsachen konfrontiert wurde: Sie sollten die Kinder lediglich auf Geschlechtskrankheiten hin testen. Das war zunächst ein Schock, aber weil sowohl ein Arzt als auch Ärztinnen im Team waren, klappten die Untersuchungen und konnte zu den einzelnen Schülern Vertrauen aufgebaut werden. Die Lehrer waren wütend, weil sie die Ergebnisse nicht erzählt bekamen. Das Ergebnis war erschütternd. Schülerinnen der oberen Klassen hatten im Schnitt mindestens 3 verschiedene Sexualpartner pro Jahr und bei vielen dieser Begegnungen wurde Gewalt angewendet. Aber auch fast jeder Lehrer war in dieser Richtung tätig. Zur Belohnung gab es dann eben bessere Noten. Was die Lehrer wirklich wissen wollten, war, wer der Jungen oder Mädchen Geschlechtskrankheiten aufwies und somit ein persönliches Risiko für die Lehrer darstellt. In den höheren Klassen hatte so gut wie alle regelmäßigen sexuellen Verkehr.
Das ist kein Einzelfall. In der Schule unserer Gemeinde in Mondayacu wurde jetzt ein Kurs angeboten, um die Mädchen auf die Union Libre vorzubereiten. Union Libre ist eine Form der staatlich geregelten Partnerschaft. Die beiden sind dann zwar nicht verheiratet, aber es werden Besitz - und Verantwortungsbereiche darin geregelt. Die Trennung ist leichter als bei Heirat. Man braucht keinen Anwalt, um einen Scheidungsprozess zu durchlaufen. Der gemeinsame Besitz wird geteilt, aber es bestehen weiterhin Pflichten für die gemeinsamen Kinder. In dieser Schule wie in vielen anderen sind viele Mädchen in den höheren Klassen schwanger. Manche leben mit ihrem Partner zusammen andere nicht. Sie brauchen Hilfe in den Fragen des Alltages. In diesem Dorf gibt es seit Jahren keine offizielle Hochzeit mehr, gibt es keine verheirateten Paare, nur solche der Union Libre.
Wie kommt das?
In der Kultur der Indianer ist es üblich, dass Mädchen vergewaltigt werden. Das war schon immer so und gehört bis zu einem gewissen Grad zum Leben dieser Menschen. Von daher erscheint es vielen nicht so schlimm. Man muss eben darüber hinweg kommen und sich einen "Beschützer" = Mann suchen. Zum anderen hat das moderne Leben dem Urwald auch seinen Stempel aufgedrückt. Mädchen heiraten dort normalerweise mit um die 15 Jahre. Das ist aber die Zeit, in der sie jetzt zur Schule gehen müssen. Der Schulweg ist oft lang und damit gefährlich. Viele wollen eigentlich nicht, aber der Druck der Gesellschaft bringt sie zur Schule. Für die Lehrer sind sie Freiwild. Die Lehrer sind oft nicht genügend ausgebildet zum Unterrichten in den Städten - dann eben ab in den Urwald, wo sie auch frustriert sind. Dort aber sind sie eine Autorität, gegen die die Eltern auch oft machtlos sind. Sie nützen ihre Macht aus.
Abtreibung ist in Ecuador offiziell verboten. Aber im Regenwald hat man seit Menschengedenken seine "Pflanzen" zur Abtreibung. Viele Apotheken verkaufen unter derm Ladentisch Abtreibungsmittel an und die ersten Organisationen bieten unter statlichem Stillschweigen ihre Dienste an. Auf der Rückseite von Strassenschildern stehen mit Hand geschrieben Telefonnummern für "sichere Abtreibungen".
Die Kultur der Indianer ist im Umbruch. Das zeigt sich derzeit vor allem im Bereich Familie und Sexualität. Die Regierung ist stolz auf die neuen Initiativen im Urwald und zeigt sie in Progagandasendungen. Die Fassade trügt. Und wer hilft diesen Jugendlichen wirklich?
Montag, 23. Januar 2012
Sonntag, 15. Januar 2012
Großer Staatsbesuch in Quito
Vergangene Woche war großer Bahnhof in Quito angesagt. Irans Staatspräsident Mahmud Ahmadinejad besuchte Quito. Vorher war er in Venezuela bei Hugo Chávez gewesen, dann in Nicaragua und Cuba. Der Abschlussbesuch fand in Quito statt. Eine Stadtrundfahrt durch Quito mit ein paar begeisterten Zuschauern aber auch einem riesigen Polizei - und Militäraufgebot versuchten die Proteste anderer Quiteñer gegen Meinungsfreiheit und die Unterdrückung der Frauen im Islam zu übertünchen.
Der Besuch ist der dritte Staatsbesuch der Länder Iran und Ecuador untereinander. Rafael Correa hatte seinerzeit einen ersten Besuch in Teheran begonnen und sich neue Verbündete erhofft. Im September 2011 kam der Vizepräsident des Irans in den Andenstaat und jetzt der Staatspräsident selbst.
Diese Besuche derzeit dienen der Außenpolitik des Irans. In allen bilateralen Gesprächen steht an erster Stelle die Bestätigung, dass der Iran das Recht zur friedlichen Nutzung der Atomenergie hat. Das haben alle besuchten Staaten bestätigt - dann lange nichts und schließlich auch Gespräche zu Wirtschaftsfragen. Aber da wird es gleich sehr dünn. Iran ist für Kuba und Nicaragua kein wirklicher Wirtschaftspartner. Venezuela hat wenig zu bieten außer Öl und das bietet der Iran auch. Was diese beiden Staaten verbindet, ist der abgrundtiefe Hass gegen die USA. Venezuela kämpft mit seiner Wirtschaft. Über 30% Inflation spricht eine deutliche Sprache. Was kann da der Iran helfen? Und in Ecuador ist es auch nicht anders. Knapp eine Mio. Dollar Waren hat Ecuador im vergangenen Jahr in den Iran ausgeführt, bei knapp 300 000 Dollar Einfuhren. Vergleichbar mit den Handelbeziehungen, die Ecuador mit Russland hat, macht das 0,16% aus. Mit anderen Worten: Die kommerzielle Seite kann man aus unserer Sicht vergessen.
Die insgesamt 500 Iranis, die hier in Ecuador leben, sind meist Händler, die mit ihrem Heimatland wenig gemeinsam haben. Sie leben, wenn sie überhaupt ihren Glauben ernst nehmen, in Ghettos. Die meisten von ihnen unterscheiden sich in ihrem Lebensstil nicht von den Ecuatorianern.
Was also verbindet diese lateinamerikanischen Staaten mit Persien? Es ist die große Politik: Wenn wir gemeinsame Feinde haben, dann müssen wir Freunde sein. Der Iran braucht internationale Anerkennung gerade in diesem Moment der Spannungen mit den USA und der Androhung, notfalls die Straße von Hormus für die Ölschifffahrt zu sperren. Die USA ihrerseits haben einige Warnungen ausgesprochen, Irans Staatspräsident nicht zu empfangen, aber dabei ist es geblieben. Weltgeschichte wird bei dieser Rundreise nicht geschrieben. Das weiß auch Rafael Correa, der Ahmadinejad auch nicht auf dem Flugplatz empfangen hat, wo er mit 2 Std. Verspätung ankam, sondern erst im Präsidentenpalast. Und eine große Pressekonferenz wurde kurzerhand in eine offizielle Verlautbarung der Gesprächsprotokolle und Absichtserklärungen umgewandelt. Da ist Correa schlauer als Hugo Chávez, der mit Irans Staatspräsidenten Vieles gemeinsam, hat. Chávez ist 13 Jahre, Ahmadinejad 11 Jahre im politischen Geschäft. Der eine übertrumpft sich in Hasstiraden gegen die USA, der andere gegen Israel und die USA mit Äußerungen, die jeder Grundlage entbehren wie: Es habe nie einen Holocaust gegeben. Ein Beispiel mehr, wie Hass verbünden kann aber auch blind macht für die Wirklichkeit.
Der Besuch ist der dritte Staatsbesuch der Länder Iran und Ecuador untereinander. Rafael Correa hatte seinerzeit einen ersten Besuch in Teheran begonnen und sich neue Verbündete erhofft. Im September 2011 kam der Vizepräsident des Irans in den Andenstaat und jetzt der Staatspräsident selbst.
Diese Besuche derzeit dienen der Außenpolitik des Irans. In allen bilateralen Gesprächen steht an erster Stelle die Bestätigung, dass der Iran das Recht zur friedlichen Nutzung der Atomenergie hat. Das haben alle besuchten Staaten bestätigt - dann lange nichts und schließlich auch Gespräche zu Wirtschaftsfragen. Aber da wird es gleich sehr dünn. Iran ist für Kuba und Nicaragua kein wirklicher Wirtschaftspartner. Venezuela hat wenig zu bieten außer Öl und das bietet der Iran auch. Was diese beiden Staaten verbindet, ist der abgrundtiefe Hass gegen die USA. Venezuela kämpft mit seiner Wirtschaft. Über 30% Inflation spricht eine deutliche Sprache. Was kann da der Iran helfen? Und in Ecuador ist es auch nicht anders. Knapp eine Mio. Dollar Waren hat Ecuador im vergangenen Jahr in den Iran ausgeführt, bei knapp 300 000 Dollar Einfuhren. Vergleichbar mit den Handelbeziehungen, die Ecuador mit Russland hat, macht das 0,16% aus. Mit anderen Worten: Die kommerzielle Seite kann man aus unserer Sicht vergessen.
Die insgesamt 500 Iranis, die hier in Ecuador leben, sind meist Händler, die mit ihrem Heimatland wenig gemeinsam haben. Sie leben, wenn sie überhaupt ihren Glauben ernst nehmen, in Ghettos. Die meisten von ihnen unterscheiden sich in ihrem Lebensstil nicht von den Ecuatorianern.
Was also verbindet diese lateinamerikanischen Staaten mit Persien? Es ist die große Politik: Wenn wir gemeinsame Feinde haben, dann müssen wir Freunde sein. Der Iran braucht internationale Anerkennung gerade in diesem Moment der Spannungen mit den USA und der Androhung, notfalls die Straße von Hormus für die Ölschifffahrt zu sperren. Die USA ihrerseits haben einige Warnungen ausgesprochen, Irans Staatspräsident nicht zu empfangen, aber dabei ist es geblieben. Weltgeschichte wird bei dieser Rundreise nicht geschrieben. Das weiß auch Rafael Correa, der Ahmadinejad auch nicht auf dem Flugplatz empfangen hat, wo er mit 2 Std. Verspätung ankam, sondern erst im Präsidentenpalast. Und eine große Pressekonferenz wurde kurzerhand in eine offizielle Verlautbarung der Gesprächsprotokolle und Absichtserklärungen umgewandelt. Da ist Correa schlauer als Hugo Chávez, der mit Irans Staatspräsidenten Vieles gemeinsam, hat. Chávez ist 13 Jahre, Ahmadinejad 11 Jahre im politischen Geschäft. Der eine übertrumpft sich in Hasstiraden gegen die USA, der andere gegen Israel und die USA mit Äußerungen, die jeder Grundlage entbehren wie: Es habe nie einen Holocaust gegeben. Ein Beispiel mehr, wie Hass verbünden kann aber auch blind macht für die Wirklichkeit.
Sonntag, 8. Januar 2012
Änderungen in Quito im Neuen Jahr
Quito, die Hauptstadt Ecuadors, ist eine der Millionenstädte Lateinamerikas, die nicht mehr so stark wächst. Während in den 70 Jahren Tausende von Dorfbewohnern in die Stadt zogen und sich durch Landbesetzung, die später legalisiert wurden, neue Stadtviertel bildeten, ist die Stadt nun bei 2 Mio. Einwohnern angekommen mit einem Wachstum aus sich heraus ohne großen Zuzug von außen her. Die Stadt hat in den letzten Jahren große Anstrengungen für die peripheren Viertel unternommen. Fast alle sind an Wasser - und Abwassersysteme sowie die Stromversorgung angeschlossen. Der Fortschritt ist greifbar. Beispielsweise war einer der größten Verkaufsschlager die Waschmaschine. Bisher wurde fast ausschließlich von Hand auf dem Waschstein vor dem Haus die Wäsche gesäubert.
Und am deutlichsten ist die Zahl der Autos in der Stadt gewachsen. Die Straßen sind selbst bei Nacht hoch frequentiert. Zu bestimmten Zeiten läuft man genauso schnell wir das Taxi fährt. Den Privatwagen lässt man gerne zuhause, denn einen Parkplatz gibt es kaum und wer falsch parkt, ist innerhalb von Minuten abgeschleppt mit hohen Kosten und langem Papierkrieg, den Wagen wieder auszulösen.
Die Stadt baut und baut und verschieden Fronten:
1)Durch die vielen Häuser und zubetonierten Gärten wird der Regen zu einem zunehmenden Problem. Quito liegt in einer Wanne am Fuß des Pichinchavulkans. Bei Sturzregen fließen innerhalb von Minuten riesige Wassermengen ins Zentrum und verwandeln die Straßen in Flüsse. Wenn die Wasserkollektoren überlastet sind, können sie zusammenbrechen und dann große Löcher in die Stadt reißen, so geschehen vor 3 Jahren im Zentrum. So hat die Stadt mehrere Tunnel fürs Abwasser ins Tal gegraben, Arbeiten, die man kaum sieht
2) Neue Straßen und andere Verkehrspolitische Maßnahmen müssen den Verkehr regeln.
Das alles kostet Geld und so werden zum Neuen Jahr die Abgaben erhöht.
- Die Grundstückssteuern für Häuser steigen. Wer allerdings noch in den ersten Monaten bezahlt, erhält bis zu 10% Preisnachlass. Ab Juni gilt dann einen Preisaufschlag.
- Geschäfte müssen höhere Steuern bezahlen und diese Abgabe ist mit der allgemeinen Steuer verbunden.
Wer sein Haus verkauft und in eine neue Immobilie umzieht zahlt jetzt statt 1/2% ganze 5%. Ecuatorianer tuen das häufig. Der Wechsel bei gekauftem Eigentum wird jetzt deutlich teurer.
- Und die Sicherheit wird größer geschrieben. Mehr städtische Polizisten sollen jetzt für mehr Sicherheit sorgen. 15% Aufschlag zur Grundstückssteuer sind für die Sicherheit gedacht. Ob das reicht mag mancher bezweifeln. Viele haben deswegen einen privaten Wachdienst engagiert.
- Die Kraftfahrzeugsteuer steigt ebenfalls. Da halten sich aber die Steigerungen in Grenzen. Höhere Preise zahlt man heute beim Neuwagen. Dort sind die Abgaben für den Staat enorm gestiegen.
Die Tendenz ist klar. Die Abgaben müssen erhöht werden, weil die Bedürfnisse wachsen und neue Straßen oder bessere Verkehrsanbindungen wir eine zukünftige Metro kosten enorme Mittel. Aber dafür haben die Bürger wohl alle Verständnis. Für etwas, was die tägliche Not wie die verstopften Straßen, lindert, gibt man eher als für Dinge, die weit weg sind.
Und am deutlichsten ist die Zahl der Autos in der Stadt gewachsen. Die Straßen sind selbst bei Nacht hoch frequentiert. Zu bestimmten Zeiten läuft man genauso schnell wir das Taxi fährt. Den Privatwagen lässt man gerne zuhause, denn einen Parkplatz gibt es kaum und wer falsch parkt, ist innerhalb von Minuten abgeschleppt mit hohen Kosten und langem Papierkrieg, den Wagen wieder auszulösen.
Die Stadt baut und baut und verschieden Fronten:
1)Durch die vielen Häuser und zubetonierten Gärten wird der Regen zu einem zunehmenden Problem. Quito liegt in einer Wanne am Fuß des Pichinchavulkans. Bei Sturzregen fließen innerhalb von Minuten riesige Wassermengen ins Zentrum und verwandeln die Straßen in Flüsse. Wenn die Wasserkollektoren überlastet sind, können sie zusammenbrechen und dann große Löcher in die Stadt reißen, so geschehen vor 3 Jahren im Zentrum. So hat die Stadt mehrere Tunnel fürs Abwasser ins Tal gegraben, Arbeiten, die man kaum sieht
2) Neue Straßen und andere Verkehrspolitische Maßnahmen müssen den Verkehr regeln.
Das alles kostet Geld und so werden zum Neuen Jahr die Abgaben erhöht.
- Die Grundstückssteuern für Häuser steigen. Wer allerdings noch in den ersten Monaten bezahlt, erhält bis zu 10% Preisnachlass. Ab Juni gilt dann einen Preisaufschlag.
- Geschäfte müssen höhere Steuern bezahlen und diese Abgabe ist mit der allgemeinen Steuer verbunden.
Wer sein Haus verkauft und in eine neue Immobilie umzieht zahlt jetzt statt 1/2% ganze 5%. Ecuatorianer tuen das häufig. Der Wechsel bei gekauftem Eigentum wird jetzt deutlich teurer.
- Und die Sicherheit wird größer geschrieben. Mehr städtische Polizisten sollen jetzt für mehr Sicherheit sorgen. 15% Aufschlag zur Grundstückssteuer sind für die Sicherheit gedacht. Ob das reicht mag mancher bezweifeln. Viele haben deswegen einen privaten Wachdienst engagiert.
- Die Kraftfahrzeugsteuer steigt ebenfalls. Da halten sich aber die Steigerungen in Grenzen. Höhere Preise zahlt man heute beim Neuwagen. Dort sind die Abgaben für den Staat enorm gestiegen.
Die Tendenz ist klar. Die Abgaben müssen erhöht werden, weil die Bedürfnisse wachsen und neue Straßen oder bessere Verkehrsanbindungen wir eine zukünftige Metro kosten enorme Mittel. Aber dafür haben die Bürger wohl alle Verständnis. Für etwas, was die tägliche Not wie die verstopften Straßen, lindert, gibt man eher als für Dinge, die weit weg sind.
Sonntag, 1. Januar 2012
Jahresrückblick 2011
Zum Jahresende wird überall Bilanz gezogen, sei es in der Familie, um Freunde und Verwandte auf dem Laufenden zu halten, oder sei es bei Regierungen, um sich der Bevölkerung darzustellen oder die Weichen neu zu stellen. Was also waren die Höhe - was die Tiefpunkte 2011 in Ecuador?
Die Regierung Rafael Correa sitzt fest im Sattel. Sie ist durch Schwierigkeiten gegangen und hat offizielle Unterstützer verloren. Im Mai hat eine Volksabstimmung stattgefunden mit 10 Fragen, die teilweise wenig Zusammenhang zeigten. Viele fragten, warum der Präsident diese Fragen durchboxen wollte und bisher loyale Mitstreiter seiner Partei wandten sich dabei der Opposition zu. Da es sich nicht um eine Personenwahl, sondern eine Volksabstimmung mit JA oder NEIN handelte, gewann der Präsident den Volksentscheid landesweit. Dazu gehören auch neue Verantwortlichkeiten der Presse und persönliche Haftung der Journalisten. Seitdem ist die Pressefreiheit in Gefahr, aber es gibt bislang nur einen Fall, den der grüßten Zeitung des Landes, die dafür ein gerichtliches Verfahren am Hals hat, das sich seit Monaten hinzieht und eine Streitwert von 90 Mio. Dollar hat und den der Präsident wegen Rufschädigung einklagt. Die letzte Urteilsverkündigung steht in Kürze an, ein Hauptangeklagte Journalist dieser Zeitung suchte und fand politisches Asyl in Miami.
Ein weiteres Ereignis dieser Volksabstimmung ist das Verbot von Tierkämpfen mit tödlichem Ausgang. Hahnenkämpfe werden jetzt heimlich ausgeführt und bei der "Fiesta die Quito" werden die traditionellen Stierkämpfe mit Matadores aus Spanien bis fast ans Ende durchgeführt. Dann schleift man den Stier hinaus, um ihm dort abseits des Publikums den Todesschuss zu versetzen. Das ist ein Wechsel, der Folgen haben wird.
Probleme bereitet die Sicherheit vor allem in den Großstädten. 2011 ist jeder 4. Quiteñer einen Raub, Hauseinbruch, Überfall oder anderen kriminellen Akt erlebt. Das ist eine Steigerung, die kaum jemand noch versteht. Überall sucht man nach Lösungen. Ursache dafür ist nicht die Armut. Die Arbeitslosigkeit sank 2011 auf 5,5%, so niedrig wie lange nicht. Die Wirtschaft legt zu, vor allem beflügelt durch steigende staatliche Investitionen. Es ist die verstärkte Mobilität durch ein deutlich verbessertes Straßennetz und es ist der Einfluss aus Kolumbien. Die klassische Guerilla wie die FARC werden schrittweise zurückgedrängt. Das klingt günstig. Aber die Wirklichkeit zeigt, dass das Vakuum von kleinen, lokalen Banden gefüllt wird, die sich vom Drogenhandel finanzieren und schwerer zu fassen sind. Es vergehen keine zwei Wochen, in den die Polizei nicht einen Verbrecherring in Quito und Umgebung aushebt. Sie haben sich auf Computerdiebstahl, besonders Lap-Tops spezialisiert, rauben systematisch Häuser aus oder überfallen Geschäfte. Der Autodiebstahl ist etwas zurück gegangen, dafür sind Motorräder stärker gesucht. Und bei allem wird immer wieder deutlich, dass die hiesigen Verbrecher häufig Verbindungen zum mexikanischen Mafia haben. Immer noch zahlen Ecuatorianer tausende von Dollar, um illegal in die USA zu gelangen, nur, um dann irgendwo in Mexiko zu verschwinden, Teil der mindestens 50 000 Toten dieses Jahres im Eintrittsstaat südlich der USA. Die wenigen, die lebend zurück kehren sind nicht negatives Beispiel genug, diesen illegalen Weg aufzugeben. Die Lockrufe der illegalen Werber sind stärker.
2011 hat die Regierung mit dem illegalen und oft gesundheitsgefährlichen Bergbau Schluss gemacht. Es kam oft zu erhitzten lokalen Protesten. Dafür sollen die Menschen jetzt in offizielle staatliche Gesellschaften aufgenommen werden, aber das wird eine große Umstellung für diese freischaffenden Menschen sein. Der Natur wird diese Maßnahme gut tun.
Auch 2011 hat die zunehmende Verstaatlichung des Lebens zugenommen. Mittlerweile regelt der Staat alles, ist der wichtigste Arbeitgeber, bestimmt die Richtung. Dabei nimmt die Staatverschuldung zu. Dazu werden Bilanzen auch mal umgedeutet, um nicht als Schulden zu erscheinen. Ob der Sozialismus des 21. Jahrhunderts allerding auf mittlere Frist eine Chance zum Überleben hat, ist zu bezweifeln. Bisher hat der Sozialismus auf lange Dauer nirgends Überlegenheit gezeigt. Das wird sich auch 2012 in Ecuador beweisen.
Die Regierung Rafael Correa sitzt fest im Sattel. Sie ist durch Schwierigkeiten gegangen und hat offizielle Unterstützer verloren. Im Mai hat eine Volksabstimmung stattgefunden mit 10 Fragen, die teilweise wenig Zusammenhang zeigten. Viele fragten, warum der Präsident diese Fragen durchboxen wollte und bisher loyale Mitstreiter seiner Partei wandten sich dabei der Opposition zu. Da es sich nicht um eine Personenwahl, sondern eine Volksabstimmung mit JA oder NEIN handelte, gewann der Präsident den Volksentscheid landesweit. Dazu gehören auch neue Verantwortlichkeiten der Presse und persönliche Haftung der Journalisten. Seitdem ist die Pressefreiheit in Gefahr, aber es gibt bislang nur einen Fall, den der grüßten Zeitung des Landes, die dafür ein gerichtliches Verfahren am Hals hat, das sich seit Monaten hinzieht und eine Streitwert von 90 Mio. Dollar hat und den der Präsident wegen Rufschädigung einklagt. Die letzte Urteilsverkündigung steht in Kürze an, ein Hauptangeklagte Journalist dieser Zeitung suchte und fand politisches Asyl in Miami.
Ein weiteres Ereignis dieser Volksabstimmung ist das Verbot von Tierkämpfen mit tödlichem Ausgang. Hahnenkämpfe werden jetzt heimlich ausgeführt und bei der "Fiesta die Quito" werden die traditionellen Stierkämpfe mit Matadores aus Spanien bis fast ans Ende durchgeführt. Dann schleift man den Stier hinaus, um ihm dort abseits des Publikums den Todesschuss zu versetzen. Das ist ein Wechsel, der Folgen haben wird.
Probleme bereitet die Sicherheit vor allem in den Großstädten. 2011 ist jeder 4. Quiteñer einen Raub, Hauseinbruch, Überfall oder anderen kriminellen Akt erlebt. Das ist eine Steigerung, die kaum jemand noch versteht. Überall sucht man nach Lösungen. Ursache dafür ist nicht die Armut. Die Arbeitslosigkeit sank 2011 auf 5,5%, so niedrig wie lange nicht. Die Wirtschaft legt zu, vor allem beflügelt durch steigende staatliche Investitionen. Es ist die verstärkte Mobilität durch ein deutlich verbessertes Straßennetz und es ist der Einfluss aus Kolumbien. Die klassische Guerilla wie die FARC werden schrittweise zurückgedrängt. Das klingt günstig. Aber die Wirklichkeit zeigt, dass das Vakuum von kleinen, lokalen Banden gefüllt wird, die sich vom Drogenhandel finanzieren und schwerer zu fassen sind. Es vergehen keine zwei Wochen, in den die Polizei nicht einen Verbrecherring in Quito und Umgebung aushebt. Sie haben sich auf Computerdiebstahl, besonders Lap-Tops spezialisiert, rauben systematisch Häuser aus oder überfallen Geschäfte. Der Autodiebstahl ist etwas zurück gegangen, dafür sind Motorräder stärker gesucht. Und bei allem wird immer wieder deutlich, dass die hiesigen Verbrecher häufig Verbindungen zum mexikanischen Mafia haben. Immer noch zahlen Ecuatorianer tausende von Dollar, um illegal in die USA zu gelangen, nur, um dann irgendwo in Mexiko zu verschwinden, Teil der mindestens 50 000 Toten dieses Jahres im Eintrittsstaat südlich der USA. Die wenigen, die lebend zurück kehren sind nicht negatives Beispiel genug, diesen illegalen Weg aufzugeben. Die Lockrufe der illegalen Werber sind stärker.
2011 hat die Regierung mit dem illegalen und oft gesundheitsgefährlichen Bergbau Schluss gemacht. Es kam oft zu erhitzten lokalen Protesten. Dafür sollen die Menschen jetzt in offizielle staatliche Gesellschaften aufgenommen werden, aber das wird eine große Umstellung für diese freischaffenden Menschen sein. Der Natur wird diese Maßnahme gut tun.
Auch 2011 hat die zunehmende Verstaatlichung des Lebens zugenommen. Mittlerweile regelt der Staat alles, ist der wichtigste Arbeitgeber, bestimmt die Richtung. Dabei nimmt die Staatverschuldung zu. Dazu werden Bilanzen auch mal umgedeutet, um nicht als Schulden zu erscheinen. Ob der Sozialismus des 21. Jahrhunderts allerding auf mittlere Frist eine Chance zum Überleben hat, ist zu bezweifeln. Bisher hat der Sozialismus auf lange Dauer nirgends Überlegenheit gezeigt. Das wird sich auch 2012 in Ecuador beweisen.
Samstag, 17. Dezember 2011
Wir verstehen die Kultur immer noch nicht
Ecuatorianer reagieren in manchen Situationen immer noch ganz anders als wir es erwarten dürfen. Ein krasses Beispiel ist ein knapp 14 - jährigen Mädchens, das jetzt aus dem Hospital bei uns entlassen wird. Sie kam mit starken Kopfschmerzen seit einem Tag und war in der Notaufnahme kaum ansprechbar. Sie hatte sich vor Monaten einmal in der Sprechstunde untersuchen lassen. Das war alles, was wir wussten. Sie war schwanger, wies extrem hohen Blutdruck auf. Und bevor wir irgendwelche Maßnahmen ergreifen konnten, begann sie mit Krämpfen wie in einer Epilepsie - ein Schwangerschaftsvergiftung, ein lebensbedrohliches Krankheitsbild für Mutter und Kind. Die erste Maßnahme ist die sofortige Trennung von Mutter und Kind, also ein Kaiserschnitt. Das Kind war soweit, dass es überleben konnte. Die befürchtete Hirnblutung oder andere Komplikationen bei der Mutter blieben aus. Nach einem Tag künstlicher Beatmung erholte sich die Mutter und war nach kurzer Zeit entlassungsreif. Für uns war das alles ein Wunder.
Bei Gesprächen mit dem Mädchen kam Frage auf, wer der Vater sei. Da kam ans Tageslicht, dass die Schwangerschaft bei einer Vergewaltigung entstanden war. Ihre Freundin hatte sie dazu überredet, mit ihr zu einem Fluss baden zu gehen. Dort angekommen, ließ die Freundin sie alleine unter dem Vorwand einige Bonbons kaufen zu gehen und ein etwas älterer Vetter dieser Freundin machte sich über die 13-Jährige her, die sich nicht genug wehren konnte.
Die Geschichte ist kein Einzelfall. Und sie kommt wie Vieles hier nie vor Gericht. Man arrangiert sich irgendwie. Vielleicht muss die Familie des Kindesvaters jetzt einen Beitrag zur nicht ganz billigen Krankenhausrechnung beitragen. Abtreibung kommt für die meisten Menschen hier "noch" nicht in Frage, denn ein Kind zu haben ist eine Ehre, keine Schande. Aber ich frage mich, wie eine Freundin so etwas mit einem eigenen Familienangehörigen einfädeln kann. Kann sie denn nicht mitfühlen? Wie kommt sie überhaupt auf den Gedanken, da mitzumachen?
Wenn wir Geschichten aus den Indianerkulturen hören, scheint Vergewaltigung von Mädchen zur Tagesordnung zu gehören. "Das passiert eben jeder einmal!" Aber auch jungen, verheirateten Frauen müssen es gelegentlich erfahren. Das führt sehr oft zu heftigen Familienfehden ein Rattenschwanz von Folgeschäden.
Mich erinnert an eine der wichtigen Triebfedern der hiesigen Kultur - den Neid.
Wenn es einem gut geht, werden die Nachbarn und Freunde schnell neidisch. Dann können sie nicht anders als Tag und Nacht zu überlegen, wie sie dem Glücklichen schaden können. Im Urwald geht man dann zum Schamanen, um einen Fluch auszusprechen und freut sich diebisch an dessen Unglück. Manchmal versucht man einfach, dem anderen sein Glück zu zerstören, zerkratzt den Lack des neuen Autos...... Neid ist der Ursache von viel Leid.
In Afrika haben wir erlebt, dass man den austeigenden Familienangehörigen dann bestiehlt und regelrecht aussaugt wie ein Blutegel.
Für uns stellt sich immer wieder die Frage, warum Menschen nicht eher bereit sind, das Evangelium von Jesus Christus als Befreiung anzunehmen. Es ist schwer, die alte Kultur zu verlassen. Das braucht oft einige Generationen Zeit. Wir sehen da recht selten spektakuläre Durchbrüche.
Bei Gesprächen mit dem Mädchen kam Frage auf, wer der Vater sei. Da kam ans Tageslicht, dass die Schwangerschaft bei einer Vergewaltigung entstanden war. Ihre Freundin hatte sie dazu überredet, mit ihr zu einem Fluss baden zu gehen. Dort angekommen, ließ die Freundin sie alleine unter dem Vorwand einige Bonbons kaufen zu gehen und ein etwas älterer Vetter dieser Freundin machte sich über die 13-Jährige her, die sich nicht genug wehren konnte.
Die Geschichte ist kein Einzelfall. Und sie kommt wie Vieles hier nie vor Gericht. Man arrangiert sich irgendwie. Vielleicht muss die Familie des Kindesvaters jetzt einen Beitrag zur nicht ganz billigen Krankenhausrechnung beitragen. Abtreibung kommt für die meisten Menschen hier "noch" nicht in Frage, denn ein Kind zu haben ist eine Ehre, keine Schande. Aber ich frage mich, wie eine Freundin so etwas mit einem eigenen Familienangehörigen einfädeln kann. Kann sie denn nicht mitfühlen? Wie kommt sie überhaupt auf den Gedanken, da mitzumachen?
Wenn wir Geschichten aus den Indianerkulturen hören, scheint Vergewaltigung von Mädchen zur Tagesordnung zu gehören. "Das passiert eben jeder einmal!" Aber auch jungen, verheirateten Frauen müssen es gelegentlich erfahren. Das führt sehr oft zu heftigen Familienfehden ein Rattenschwanz von Folgeschäden.
Mich erinnert an eine der wichtigen Triebfedern der hiesigen Kultur - den Neid.
Wenn es einem gut geht, werden die Nachbarn und Freunde schnell neidisch. Dann können sie nicht anders als Tag und Nacht zu überlegen, wie sie dem Glücklichen schaden können. Im Urwald geht man dann zum Schamanen, um einen Fluch auszusprechen und freut sich diebisch an dessen Unglück. Manchmal versucht man einfach, dem anderen sein Glück zu zerstören, zerkratzt den Lack des neuen Autos...... Neid ist der Ursache von viel Leid.
In Afrika haben wir erlebt, dass man den austeigenden Familienangehörigen dann bestiehlt und regelrecht aussaugt wie ein Blutegel.
Für uns stellt sich immer wieder die Frage, warum Menschen nicht eher bereit sind, das Evangelium von Jesus Christus als Befreiung anzunehmen. Es ist schwer, die alte Kultur zu verlassen. Das braucht oft einige Generationen Zeit. Wir sehen da recht selten spektakuläre Durchbrüche.
Mittwoch, 7. Dezember 2011
Wie weit geht die Einschränkung der Pressefreiheit?
Unser Präsident hat in den letzten Wochen für internationale Schlagzeilen gesorgt durch einen Prozess gegen die größte Zeitung des Landes. Journalisten sind angeklagt, einer von ihnen hat sich rechtzeitig ins Exil nach Miami abgesetzt. Die Zeitung wird verklagt, dem Präsidenten 90 Mio. Dollar Schadensersatz zu zahlen. Das Urteil in letzter Instanz steht noch aus. Es sieht aber ganz nach einer Verurteilung aus. Die Regierung hat ihre Informationsquellen für die kritischen Medien wasserdicht gemacht. Der Propagandaapparat der Regierung wird ausgeweitet. Doch die Gegner sind auch nicht zimperlich und bewegen sich in ganz anderen Medien, nämlich den sozialen Netzwerken.
Twitter und Facebook und andere haben ja in den letzten Monaten ihre neue Sprengkraft gezeigt. Der politische Umsturz in Ägypten und Libyen sind nur Beispiele. In England haben sich Demonstranten scheinbar spontan zu Kundgebungen und Demonstrationen getroffen, zusammengerufen über die sozialen Netzwerke des Internets. Die Wall – Street - Gegner in aller Welt haben sich dadurch organisiert. Der Wahlerfolg der Piratenpartei in Berlin ist in erster Linie ein Erfolg der Werbung über virtuelle Netzwerke. Für Regierungen aller Couleur ist diese Bewegung zunächst einmal beängstigend, weil schlecht steuerbar. Menschen drücken dadurch ihre Gefühle aus und die können sich sehr schnell von Anerkennung bis zu Hass ändern.
Ähnliches läuft derzeit in Ecuador ab und Präsident Rafael Correa hat angekündigt, die sozialen Netzwerke zu beschneiden. Eklatanter Fall ist der eines 44-jährigen, der in Twitter den Präsidenten bis hin zu Morddrohungen beleidigte. Er wurde daraufhin festgenommen und erst nach einer Entschuldigung wieder freigelassen. Da haben andere Gegner etwa bei demonstrativen Gesten gegen den Präsidenten bei Besuchen in einem Ort ganz andere Strafen durchstehen müssen. Jetzt wurde angedroht, die sozialen Netzwerke zu beschränken. Das Wie steht noch aus.
Es ist leicht, die Benutzer zu orten. Der Mensch wird immer leichter kontrollierbar und Sicherheit im Internet gibt es längst nicht mehr. Welchen technischen Aufwand betreiben Industrieunternehmen und Regierungen heute gegen Spionage? Weakileaks zeigt uns deutlich, welche politischen Auswirkungen die Veröffentlichung geheimer Botschaften haben können.
Deswegen wird überall in der Welt darüber nachgedacht, wie Regierungen nicht nur in Ecuador auf die neuen Entwicklungen reagieren. Da wird auf der einen Seite von Beschneidung der Meinungsfreiheit lamentiert. Auf der anderen Seite darf einer nicht ungestraft Morddrohungen für alle einsehbar publizieren und damit zum Widerstand animieren.
Die Zeit, in der alle 4 Jahre gewählt wurde und die Regierung in der Zwischenzeit in aller Ruhe sich ihrer Macht sicher sein durfte, ist endgültig vorbei. Es scheint das Zeitalter der Wutbürger angebrochen zu sein, die sich spontan äußern. Das gilt derzeit für fast alle Regierungen der Erde. Werden wir Mechanismen finden, die Stimmungen der Menschen gerecht zu handeln? Das spontane Umschwenken Angela Merkels in Sachen Atomkraft nach dem Debakel in Japan nach dem Erdbeben ist solch ein Versuch, schnell zu reagieren. Verbote und Einschränkungen des Internets allein sind wenig effektiv, wie Ägypten und Libyen zeigen. Wie wird die hiesige Regierung in Zukunft reagieren? Wir dürfen gespannt sein
Twitter und Facebook und andere haben ja in den letzten Monaten ihre neue Sprengkraft gezeigt. Der politische Umsturz in Ägypten und Libyen sind nur Beispiele. In England haben sich Demonstranten scheinbar spontan zu Kundgebungen und Demonstrationen getroffen, zusammengerufen über die sozialen Netzwerke des Internets. Die Wall – Street - Gegner in aller Welt haben sich dadurch organisiert. Der Wahlerfolg der Piratenpartei in Berlin ist in erster Linie ein Erfolg der Werbung über virtuelle Netzwerke. Für Regierungen aller Couleur ist diese Bewegung zunächst einmal beängstigend, weil schlecht steuerbar. Menschen drücken dadurch ihre Gefühle aus und die können sich sehr schnell von Anerkennung bis zu Hass ändern.
Ähnliches läuft derzeit in Ecuador ab und Präsident Rafael Correa hat angekündigt, die sozialen Netzwerke zu beschneiden. Eklatanter Fall ist der eines 44-jährigen, der in Twitter den Präsidenten bis hin zu Morddrohungen beleidigte. Er wurde daraufhin festgenommen und erst nach einer Entschuldigung wieder freigelassen. Da haben andere Gegner etwa bei demonstrativen Gesten gegen den Präsidenten bei Besuchen in einem Ort ganz andere Strafen durchstehen müssen. Jetzt wurde angedroht, die sozialen Netzwerke zu beschränken. Das Wie steht noch aus.
Es ist leicht, die Benutzer zu orten. Der Mensch wird immer leichter kontrollierbar und Sicherheit im Internet gibt es längst nicht mehr. Welchen technischen Aufwand betreiben Industrieunternehmen und Regierungen heute gegen Spionage? Weakileaks zeigt uns deutlich, welche politischen Auswirkungen die Veröffentlichung geheimer Botschaften haben können.
Deswegen wird überall in der Welt darüber nachgedacht, wie Regierungen nicht nur in Ecuador auf die neuen Entwicklungen reagieren. Da wird auf der einen Seite von Beschneidung der Meinungsfreiheit lamentiert. Auf der anderen Seite darf einer nicht ungestraft Morddrohungen für alle einsehbar publizieren und damit zum Widerstand animieren.
Die Zeit, in der alle 4 Jahre gewählt wurde und die Regierung in der Zwischenzeit in aller Ruhe sich ihrer Macht sicher sein durfte, ist endgültig vorbei. Es scheint das Zeitalter der Wutbürger angebrochen zu sein, die sich spontan äußern. Das gilt derzeit für fast alle Regierungen der Erde. Werden wir Mechanismen finden, die Stimmungen der Menschen gerecht zu handeln? Das spontane Umschwenken Angela Merkels in Sachen Atomkraft nach dem Debakel in Japan nach dem Erdbeben ist solch ein Versuch, schnell zu reagieren. Verbote und Einschränkungen des Internets allein sind wenig effektiv, wie Ägypten und Libyen zeigen. Wie wird die hiesige Regierung in Zukunft reagieren? Wir dürfen gespannt sein
Sonntag, 4. Dezember 2011
Der Tungurahua spuckt wieder:
Seit fast 12 Jahren immer wieder das Gleiche. Mehrere Male im Jahr wird der Berg, an dessen Fuß Baños liegt aktiver als sonst. Der gut 5000 m hohe Vulkan Tungurahua bieten ein farbenfrohes nächtliches Bild und speit wieder rotglühendes Material aus seinem Schlund. Es fliegt nicht sehr weit und bildet eine rote Kappe um den Kraterrand. Hier und da ist ein wenig flüssige Lava dabei, die sich aber schnell festsetzt. Dann sitzen Besucher rundherum auf den Bergen in sicherem Anstand und versuchen zu fotografieren, wenn es die oft dichte Wolkendecke zulässt.
Der Tungurahua ist ein Vulkan vom Stombolityp, d.h. mehr oder weniger ständig aktiv. Es baut sich in ihm aber keine Spannung auf, die dann zu riesigen Ausbrüchen oder der Explosion eines ganzen Berges führen kann, wie es beim Kratatau in Indonesien oder dem St. Helena in den USA passierte, als der halbe Berg durch die Explosion barst und kilometerweit im Umkreis alles verwüstete. Besucher, die sich seinerzeit in sicher Entfernung mit Kameras bewaffnet wähnten, überlebten die Katastrophe nicht und Staub und Flutwellen gingen um die ganze Erde. Nein, der Tungurahua ist da konstanter und friedlicher. Aber ist es im wenige Kilometer nahen Ort Baños mit seinen 15.000 Einwohnern sicher? Die Menschen haben gelernt, mit dem Vulkan zu leben. Sie schreiben den Schutz einer lokalen Marienstatue, der "Virgen de Baños" zu, die in regelmäßigen Prozessionen geehrt wird. Einmal musste der Ort mit seinen vielen Hotels und Touristenattraktionen geräumt werden. Die Polizei patrollierte durch die Straßen. Ergebnis: Fast überall Einbruch und Diebstahl. Deswegen sind sie wenig geneigt, das Gleiche nochmal zu erleben.
Leidtragende der Vulkanausbrüche sind ganz andere, nämlich die Menschen der Dörfer drum herum, vor allem Richtung Hochland. Dorthin weht der Wind nämlich meistens die Asche, die seit 1999 mehr oder weniger ständig ausgestoßen wird. Die Erde der Umgebung ist äußerst fruchtbar, und so leben die Menschen von einer prosperierenden Landwirtschaft. Doch ab und an werden die Pflanzen von einer Ascheschicht überdeckt, Tiere erkranken bei dem dichten Staub und verenden. Und dann geht das Leben weiter. Die nächsten Ernten sind dann umso besser. Dafür verliert man aber evt. eine ganze Ernte - hohes Risiko mit zwischendrin großem Gewinn.
Bleibt das wirkliche Risiko für die Bewohner von Baños am Fuße des Vulkanriesen. 90% von ihnen leben vom Tourismus, Tendenz steigend, weil zunehmend auch Ecuatorianer die heißen Quellen und unzähligen touristischen Attraktivitäten besuchen. Jetzt hat man ein neues Alarmsystem installiert: 17 Sirenen. Innerhalb von 18 min soll im Ernstfall der Ort geräumt werden. Das klingt gut. Fahrzeuge und die 3 Fluchtwege sind organisiert, die Bewohner angeleitet, was sie dann zu tun haben. Die Wahrheit aber ist, dass heute schon zwei der drei Straßen heillos überfüllt sind und der Verkehr sich träge durch die Stadt quält. Was wird da erst, wenn wirklich der Ernstfall eintritt? Dann geht es zu wie in einer Massenpanik eines Fußballstadiums.
Die Menschen auch in weiter Entfernung wie wir im Amazonastiefland in gut 30 km Entfernung und immer offenen Fenstern, wachen morgens auf mit Kratzen im Hals, Husten und Zähneknirschen. Auf allem liegt dann gelegentlich eine Staubschicht - nächtlicher Grüß des Vulkans Tungurahua.
Der Tungurahua ist ein Vulkan vom Stombolityp, d.h. mehr oder weniger ständig aktiv. Es baut sich in ihm aber keine Spannung auf, die dann zu riesigen Ausbrüchen oder der Explosion eines ganzen Berges führen kann, wie es beim Kratatau in Indonesien oder dem St. Helena in den USA passierte, als der halbe Berg durch die Explosion barst und kilometerweit im Umkreis alles verwüstete. Besucher, die sich seinerzeit in sicher Entfernung mit Kameras bewaffnet wähnten, überlebten die Katastrophe nicht und Staub und Flutwellen gingen um die ganze Erde. Nein, der Tungurahua ist da konstanter und friedlicher. Aber ist es im wenige Kilometer nahen Ort Baños mit seinen 15.000 Einwohnern sicher? Die Menschen haben gelernt, mit dem Vulkan zu leben. Sie schreiben den Schutz einer lokalen Marienstatue, der "Virgen de Baños" zu, die in regelmäßigen Prozessionen geehrt wird. Einmal musste der Ort mit seinen vielen Hotels und Touristenattraktionen geräumt werden. Die Polizei patrollierte durch die Straßen. Ergebnis: Fast überall Einbruch und Diebstahl. Deswegen sind sie wenig geneigt, das Gleiche nochmal zu erleben.
Leidtragende der Vulkanausbrüche sind ganz andere, nämlich die Menschen der Dörfer drum herum, vor allem Richtung Hochland. Dorthin weht der Wind nämlich meistens die Asche, die seit 1999 mehr oder weniger ständig ausgestoßen wird. Die Erde der Umgebung ist äußerst fruchtbar, und so leben die Menschen von einer prosperierenden Landwirtschaft. Doch ab und an werden die Pflanzen von einer Ascheschicht überdeckt, Tiere erkranken bei dem dichten Staub und verenden. Und dann geht das Leben weiter. Die nächsten Ernten sind dann umso besser. Dafür verliert man aber evt. eine ganze Ernte - hohes Risiko mit zwischendrin großem Gewinn.
Bleibt das wirkliche Risiko für die Bewohner von Baños am Fuße des Vulkanriesen. 90% von ihnen leben vom Tourismus, Tendenz steigend, weil zunehmend auch Ecuatorianer die heißen Quellen und unzähligen touristischen Attraktivitäten besuchen. Jetzt hat man ein neues Alarmsystem installiert: 17 Sirenen. Innerhalb von 18 min soll im Ernstfall der Ort geräumt werden. Das klingt gut. Fahrzeuge und die 3 Fluchtwege sind organisiert, die Bewohner angeleitet, was sie dann zu tun haben. Die Wahrheit aber ist, dass heute schon zwei der drei Straßen heillos überfüllt sind und der Verkehr sich träge durch die Stadt quält. Was wird da erst, wenn wirklich der Ernstfall eintritt? Dann geht es zu wie in einer Massenpanik eines Fußballstadiums.
Die Menschen auch in weiter Entfernung wie wir im Amazonastiefland in gut 30 km Entfernung und immer offenen Fenstern, wachen morgens auf mit Kratzen im Hals, Husten und Zähneknirschen. Auf allem liegt dann gelegentlich eine Staubschicht - nächtlicher Grüß des Vulkans Tungurahua.
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