Jahrelang umkämpft, dann verschoben, aber nach dem Wahlsieg des Präsidenten und dem Beginn der neuen Legislative als erstes durchgepeitscht worden. Das neue Mediengesetz ist vom Parlamente beschlossen, vom Präsidenten ohne Änderungen unterzeichnet und wird nun im Gesetzblatt veröffentlicht. Die Regierung Ecuadors zementiert damit ihre Macht. Vertreter der UNO und viele andere haben versucht, dieses Gesetz zu ändern - ohne Erfolg.
Was wird nun anders? Es gibt eine Menge Beschränkungen für alle, die in den Medien tätig sind. Die wichtigsten davon sind:
1) Publikationen dürfen nur noch von Personen mit einem anerkannten Titel hergestellt werden. Seiteneinsteiger, die sich in Materien eingearbeitet haben, dürfen nicht mehr produzieren. Damit ist auch eine Kontrolle seitens des Staates besser gewährleistet.
2) Es wird eine Überwachungsbehörde eingeführt, die alle Kommunikation überprüft. Diese Behörde ist besetzt durch Repräsentanten der Regierung und lokalen Behörden. Und da steckt die größte Unsicherheit. Wer bestimmt diese lokalen Vertreter? Die Idee ist einleuchtend. Geschehnisse und Berichte vor Ort müssen von Menschen dieser Region beurteilt werden. Aber bei den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen meint es wieder Regierungsvertreter vor Ort. Der Staat übernimmt praktisch diese Kontrollbehörde und hat damit das letzte Wort.
3) Jeder, der etwas veröffentlicht, ist persönlich dafür verantwortlich. Das ist sicher kein schlechter Ansatz. Zu oft konnte jemand irgendetwas behaupten und sich vielleicht dann am nächsten Tag in Kleingedrucktem dafür entschuldigen oder berichtigen, ohne dass jemand die Berichtigung überhaupt las. Das macht es aber in der Praxis und unter den gegebenen Umständen unmöglich, die Regierung und ihre Vertreter zu kritisieren. Alles kann negativ ausgelegt werden.
4) 60% der Produktionen müssen ecuatorianischer Herkunft sein. Das betrifft wohl in erster Linie das Fernsehen. Telenovelas und internationale Programme, vor allem aus den USA dürften deutlich reduziert werden, was ich nicht unbedingt als einen Verlust bezeichnen möchte. Damit fällt manche Zeichentrickserie weg, müssen sich Fernsehkanäle mächtig anstrengen, etwa ihr Nachtprogramm zu füllen. Es geht aber dann auch den Trend der Bevölkerung hin zu ausländischen Kanälen im bezahlten Fernsehen. Auf jeden Fall wird die Regierung in ihren Fernsehkanälen mit einem riesigen, staatlichen Finanzaufwand, diese Vorgaben erfüllen.
Was demnächst gegen die freie Presse ablaufen wird, haben wir vor wenigen Tagen am Beispiel einer Tageszeitung von Quito erlebt. Der "Defensor del Pueblo" einer Behörde, die eigentlich Bürger bei ihren berechtigten Forderungen gegen den Staat oder sonstige Institutionen vertreten soll, hat die Zeitung HOY gezwungen, sich beim Präsidenten zu entschuldigen und eine Nachricht zurückzunehmen. Eine Behörde für den "kleinen Mann" sieht ihre Aufgabe in der Präsidentenverteidigung.
Mich erinnert das alles an die These eines Buches des US-Amerikaners William Dobson: "The Dictator´s learning curve". Er zeigt, wie in zentralistisch gelenkten Staaten wie Venezuela oder Russland, aber auch in anderen die neuen "Zaren" nicht mehr Menschen zu Tausenden beseitigen, nicht mehr viele in Gefängnisse abtransportieren, sondern bei günstigen Mehrheitsverhältnissen Gesetze ändern, dann aber gezielt gegen Gegner vorgehen, etwa gegen Aktivisten. Sie setzen ihre Macht ganz legal um.
Wir denken immer, Demokratie sei die einzige Herrschaftsform. Aber existiert sie wirklich? Sind die USA wirklich DIE Vorzeigedemokratie oder sind sie nicht auch in der Hand einiger weniger Medienkonzerne, gegen die es auch ein Präsident schwer hat. Die Mehrheit der Staaten in Afrika und Asien, aber auch in Südamerika, werden totalitär regiert. Bei einer Revolution löst eine Diktatur die andere ab, derzeit zu sehen in der arabischen Welt. Jedes Volk bekommt die Staatform, die es wählt. So auch in Ecuador.
Sonntag, 23. Juni 2013
Sonntag, 9. Juni 2013
Freud und Leid des Schnellen Geldes
Erdöl der die Nummer 1 der Einnahmen unseres Landes Ecuador. Wir haben unlängst einige Tage Urlaub in der Region im Ostteil des Landes südlich der kolumbianischen Grenze im Amazonaszuflussgebietes machen können. Ecuador hat Erdöl, aber es sind viele kleine unterirdische Erdölblasen, die durch Bohrungen angezapft werden, einige Mitten in einer Stadt wie in Shushufindi. Dann werden kleine Leitungen gelegt und irgendwo laufen die zusammen, um in einer Hauptleitung Richtung Küste abgepumpt zu werden. Aber es kann ja mal der Fall eintreten, dass die Hauptleitung unterbrochen ist. Dazu sind Zwischentanks eingerichtet worden. Wer entlang der Hauptstraßen fährt, inzwischen alle geteert, sieht zu beiden Seiten die vielen kleinen Metallleitungen, die zur schließlich großen Hauptpipeline führen. Und die geht entlang des aktivsten Vulkans Ecuadors, dem Reventador, und dann über die Anden bis in fast 4000 m Höhe, weil durch einen Tunnel geleitet, dann über Quito bis zur Küste zum Ölhafen Esmeraldas im Norden des Landes. Dort wird unser schwarzes Gold verschifft. Ecuador hat eigene Schiffe angeschafft, um auch da möglichst wenig Gewinn abzugeben.
Am 31. Mai ist wieder einmal diese Hauptleitung gebrochen. Diese Pipelineführt an einem aktiven Vulkan entlang und geht durch schroffe Täler. Derzeit ist Regenzeit im Ostteil des Landes. Überall gibt es Schlamm- und Gerölllawinen und hier und da nehmen sie auch die Pipeline mit. Dann ergießt sich das Öl in die Landschaft, in Flüsse und Bäche, bis über Alarm durch Druckabfall der Zufluss gestoppt wird. Dann läuft eine hektische Reparationsaktion an, denn sonst laufen die Reservetanks über.
1972 erstmals in Betrieb genommen, wies die Pipeline bisher 72 Risse auf. Das sind geschätzte knappe dreiviertel Million Barrels Rohöl, die in der Erde und den Flüssen Ecuadors verloren gingen. Da gibt es Seen, die seit Jahren keine Fische mehr haben.
Aber die Ölgesellschaften haben auch gelernt. Die großen Katastrophen geschahen in den 70-er und 90-er Jahren. Was heute geschieht ist nichts gegen die Katastrophen des Anfangs. Und doch ist die letzte Katastrophe schlimm für die Bewohner der unteren Flussabschnitte. Sie haben kein Trinkwasser mehr und werden durch Schiffe mit Wasser und Lebensmittel versorgt.
Aber wie immer gibt es auch Leute, die daran verdienen wollen, die auch das schnelle Geld zu erhaschen wünschen. Es sind die Anwohner solche eines Rohrbruchs. Die Landschaft muss meistens von Hand gesäubert werden. Dann lassen die Bauern der Gegend ihre Fincas liegen und arbeiten für ca. 800 Dollar Monatslohn für die Ölgesellschaft. Dieses Einkommen haben sie sonst nicht. Ganze Familien lassen in dieser Zeit alles im Stich und verdienen riesig. Das Problem kommt manchmal hinterher. Dass sind die Felder nicht bestellt worden. Die Ernte ist verdorben und sie fallen in ein finanzielles Loch und schreien nach staatlicher Hilfe für "Geschädigte der Erdölleitung".
Das schwarze Gold, das Ecuador so viel Segen zu bringen scheint, hat viele Schattenseiten. Ölarbeiter ändern die Kultur, dringen in bisher entlegene Gegenden ein. Das schnelle Geld verändert mehr als man oberflächlich sieht. Und im Gefolge ändert sich ein ganzes Land. Wird eine Schneise für eine Pipeline in den Urwald geschlagen, wächst die nicht einfach zu, sondern im Gefolge kommen "Colonos" ? Siedler, die dann das Land bebauen. Die Indianer werden weiter weg verdrängt, aber auch Gelegenheitsjobs zerstören die bäuerliche Lebensweise entlang der Hauptschlagader des Landes. Das schnell Geld war selten ein Segen für Viele.
Am 31. Mai ist wieder einmal diese Hauptleitung gebrochen. Diese Pipelineführt an einem aktiven Vulkan entlang und geht durch schroffe Täler. Derzeit ist Regenzeit im Ostteil des Landes. Überall gibt es Schlamm- und Gerölllawinen und hier und da nehmen sie auch die Pipeline mit. Dann ergießt sich das Öl in die Landschaft, in Flüsse und Bäche, bis über Alarm durch Druckabfall der Zufluss gestoppt wird. Dann läuft eine hektische Reparationsaktion an, denn sonst laufen die Reservetanks über.
1972 erstmals in Betrieb genommen, wies die Pipeline bisher 72 Risse auf. Das sind geschätzte knappe dreiviertel Million Barrels Rohöl, die in der Erde und den Flüssen Ecuadors verloren gingen. Da gibt es Seen, die seit Jahren keine Fische mehr haben.
Aber die Ölgesellschaften haben auch gelernt. Die großen Katastrophen geschahen in den 70-er und 90-er Jahren. Was heute geschieht ist nichts gegen die Katastrophen des Anfangs. Und doch ist die letzte Katastrophe schlimm für die Bewohner der unteren Flussabschnitte. Sie haben kein Trinkwasser mehr und werden durch Schiffe mit Wasser und Lebensmittel versorgt.
Aber wie immer gibt es auch Leute, die daran verdienen wollen, die auch das schnelle Geld zu erhaschen wünschen. Es sind die Anwohner solche eines Rohrbruchs. Die Landschaft muss meistens von Hand gesäubert werden. Dann lassen die Bauern der Gegend ihre Fincas liegen und arbeiten für ca. 800 Dollar Monatslohn für die Ölgesellschaft. Dieses Einkommen haben sie sonst nicht. Ganze Familien lassen in dieser Zeit alles im Stich und verdienen riesig. Das Problem kommt manchmal hinterher. Dass sind die Felder nicht bestellt worden. Die Ernte ist verdorben und sie fallen in ein finanzielles Loch und schreien nach staatlicher Hilfe für "Geschädigte der Erdölleitung".
Das schwarze Gold, das Ecuador so viel Segen zu bringen scheint, hat viele Schattenseiten. Ölarbeiter ändern die Kultur, dringen in bisher entlegene Gegenden ein. Das schnelle Geld verändert mehr als man oberflächlich sieht. Und im Gefolge ändert sich ein ganzes Land. Wird eine Schneise für eine Pipeline in den Urwald geschlagen, wächst die nicht einfach zu, sondern im Gefolge kommen "Colonos" ? Siedler, die dann das Land bebauen. Die Indianer werden weiter weg verdrängt, aber auch Gelegenheitsjobs zerstören die bäuerliche Lebensweise entlang der Hauptschlagader des Landes. Das schnell Geld war selten ein Segen für Viele.
Montag, 3. Juni 2013
Die sexuelle Revolution - jetzt auch in Ecuador
In Europa und Nordamerika ist das Ziel fast erreicht. Mit Milliarden Staatgeldern finanziert und ohne offizielle Legitimation hat sich stillschweigend und doch jetzt immer lauter eine Lobby etabliert, die zu einer Macht geworden ist. Die neuen Fremdwörter verstehen die wenigsten Bürger. Die Andersdenkenden werden degradiert und schlichtweg fertig gemacht.
Die Rede ist von der Änderung im sexuellen Bereich. Homosexualität Lesbianismus etc. etc. werden hoffähig und überall als die Zukunft propagiert. Die Jugend wird gezielt dazu erzogen. Da wurde vor wenigen Jahren in Deutschland um die "Heirat von Gleichgeschlechtlichen" gekämpft. Einen Tag nach dem "Sieg" der Befürworter verschwanden die "Gegner" etwa auf Google unter ferner liefen. Mittlerweiler sind diese Gegner Feinde der Nation und werden aufs Schärfste fertig gemacht mit billigen Argumenten, die einer Demokratie unwürdig sind, aber medienwirksam - und darauf kommt es an. Die Beschimpfung läuft über neue Wortschöpfungen. Bei genauerem Hinsehen sind weder die Worte richtig zu verstehen, noch der Gebrauch: Homophobie meint eigentlich "Angst vor Menschen". Gender meint aus dem Lateinischen eines der drei Geschlechter - männlich, weiblich oder sächlich. Was hat das mit Sexualität oder Aggressivität gegen Homosexuelle zu tun?
In Europa haben wir uns daran gewöhnt. Der Prozess geht schon viele Jahre. In Frankreich wurde die homosexuelle "Ehe" erst kürzlich durch fragliche Mehrheit im Parlament erlaubt. Die Mehrheit der Menschen ist damit nicht einverstanden und protestiert. In Deutschland hat man sich mittlerweile "daran gewöhnt". 0,9% der Bevölkerung lebt laut statistischem Bundesamt in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, aber nur 0,058 % der Bevölkerung macht von dem neuen Recht Gebrauch. Warum also so viele Trubel um solchen ein "wichtiges Gesetz"?
Jetzt kommt der Einfluss der "Gleichgeschlechtlichen" nach Ecuador. Unser sozialistischer Staat hat nach der vergangenen Wahl im Februar diesen Jahres die gute absolute Mehrheit. Seit Jahren sehen wir in den Medien Artikel für die sexuelle Freiheit. Aber seit einigen Wochen häufen sich die Publikationen, die eine Wende herbeirufen möchten. Die "Königin von Quito", eine Schönheit, die ähnlich einer dt. Weinkönigin jedes Jahr neu gewählt wird und in ihrer "Regierungszeit" repräsentative Aufgaben hat, reist derzeit durch Gymnasien, um gegen "bullying" einzuschreiten. Gemeint sind die verachtenden Äußerungen gegen homosexuell Empfindende. Ziel ist, homosexuelle Praktiken als normal zu verkaufen, ja zu animieren.
In einer Regierungszeitschrift, die in mehreren Zeitungen beigelegt wurde, wird von den Fortschritten der Kulturerhaltung berichtet. Alte Bräuche werden beschrieben und was die Regierung zur Erhaltung getan hat. Naturparks bewahren die Schönheit des Landes, alte Gebäude mit Geschichtswert wurden restauriert etc. Aber die Einleitung krönt ein Bild des Leides der Leiterin der Lesbenorganisation des Landes. Sie berichtet, wie sie von Familie und anderen deswegen geschnitten wurde und sie empfiehlt ihr drei Bücher zu kaufen. Was hat das mit ecuatorianischer Kulturerhaltung zu tun? Ecuador gerät in den Sog der Welt. Die sexuelle Revolution hat auch hier begonnen. Sie macht letztlich Familie kaputt.
Die Rede ist von der Änderung im sexuellen Bereich. Homosexualität Lesbianismus etc. etc. werden hoffähig und überall als die Zukunft propagiert. Die Jugend wird gezielt dazu erzogen. Da wurde vor wenigen Jahren in Deutschland um die "Heirat von Gleichgeschlechtlichen" gekämpft. Einen Tag nach dem "Sieg" der Befürworter verschwanden die "Gegner" etwa auf Google unter ferner liefen. Mittlerweiler sind diese Gegner Feinde der Nation und werden aufs Schärfste fertig gemacht mit billigen Argumenten, die einer Demokratie unwürdig sind, aber medienwirksam - und darauf kommt es an. Die Beschimpfung läuft über neue Wortschöpfungen. Bei genauerem Hinsehen sind weder die Worte richtig zu verstehen, noch der Gebrauch: Homophobie meint eigentlich "Angst vor Menschen". Gender meint aus dem Lateinischen eines der drei Geschlechter - männlich, weiblich oder sächlich. Was hat das mit Sexualität oder Aggressivität gegen Homosexuelle zu tun?
In Europa haben wir uns daran gewöhnt. Der Prozess geht schon viele Jahre. In Frankreich wurde die homosexuelle "Ehe" erst kürzlich durch fragliche Mehrheit im Parlament erlaubt. Die Mehrheit der Menschen ist damit nicht einverstanden und protestiert. In Deutschland hat man sich mittlerweile "daran gewöhnt". 0,9% der Bevölkerung lebt laut statistischem Bundesamt in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, aber nur 0,058 % der Bevölkerung macht von dem neuen Recht Gebrauch. Warum also so viele Trubel um solchen ein "wichtiges Gesetz"?
Jetzt kommt der Einfluss der "Gleichgeschlechtlichen" nach Ecuador. Unser sozialistischer Staat hat nach der vergangenen Wahl im Februar diesen Jahres die gute absolute Mehrheit. Seit Jahren sehen wir in den Medien Artikel für die sexuelle Freiheit. Aber seit einigen Wochen häufen sich die Publikationen, die eine Wende herbeirufen möchten. Die "Königin von Quito", eine Schönheit, die ähnlich einer dt. Weinkönigin jedes Jahr neu gewählt wird und in ihrer "Regierungszeit" repräsentative Aufgaben hat, reist derzeit durch Gymnasien, um gegen "bullying" einzuschreiten. Gemeint sind die verachtenden Äußerungen gegen homosexuell Empfindende. Ziel ist, homosexuelle Praktiken als normal zu verkaufen, ja zu animieren.
In einer Regierungszeitschrift, die in mehreren Zeitungen beigelegt wurde, wird von den Fortschritten der Kulturerhaltung berichtet. Alte Bräuche werden beschrieben und was die Regierung zur Erhaltung getan hat. Naturparks bewahren die Schönheit des Landes, alte Gebäude mit Geschichtswert wurden restauriert etc. Aber die Einleitung krönt ein Bild des Leides der Leiterin der Lesbenorganisation des Landes. Sie berichtet, wie sie von Familie und anderen deswegen geschnitten wurde und sie empfiehlt ihr drei Bücher zu kaufen. Was hat das mit ecuatorianischer Kulturerhaltung zu tun? Ecuador gerät in den Sog der Welt. Die sexuelle Revolution hat auch hier begonnen. Sie macht letztlich Familie kaputt.
Sonntag, 12. Mai 2013
San Lorenzo - ein Verkehrsknotenpunkt
Es war eine der abgelegensten Gegenden des Landes, an einem Flussdelta, aber noch im Inland. Doch der Fluss ist nicht weit entfernt die Grenze zu Kolumbien. In diese Ecke Ecuadors hatten sich in früher Kolonialzeit Negersklaven zweier untergehender Schiffe auf dem Weg nach Chile an Ufer gerettet, die dortigen Indianer verdrängt und über Jahrhunderte ein Leben in den Wäldern geführt ähnlich dem ihrer Heimat, nämlich Ghana. Selbst die Sprache blieb lange erhalten, es fehlte die Verbindung zu Außenwelt. Die kam so langsam mit der Eisenbahn als Fortsetzung der Linie Guayaquil - Quito über Ibarra und wieder an die Küste vor 100 Jahren. Der Zug und das Schiff waren die einzigen Verbindungen dorthin. HCJB Global hat sich in dieser Region bei der Ausrottung der Flussblindheit mit einer Augenklinik und mobiler Klinik in all den Dörfern am Rande der Flüsse engagiert. Heute gibt es noch eine kleine Klinik für die Armen.
Aber ganz so arm ist diese Gegend lange nicht mehr. Denn vor 15 Jahren wurde eine Straße gebaut. Sie bedeutete für die Eisenbahn und den Urwald den Tod. Eine ganze Küstenregion wurde entgegen aller Beschwörungen der Regierung und Gesetze zum Schutz des Regenwaldes abgeholzt. An seine Stelle trat die afrikanische Ölpalme in riesigen Plantagen. Seitdem haben die Menschen dort Arbeit und verdienen Geld.
Aber daneben ist San Lorenzo zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt geworden, nämlich zum Nachbarn Kolumbien. War die Mole bisher Umschlagpunkt für Waren aus den Fincas, dem Fischfang und der Güter, wie Sprit und Werkzeuge zu den Dörfern, ist San Lorenzo jetzt Warenumschlagplatz zwischen Kolumbien und Ecuador und das macht sich die Mafia auch zu Nutzen. Einer jetzt veröffentlichen 64-seitigen Studie der UNO ist San Lorenzo ein Umschlageplatz für Menschen.
Da ist zunächst die Prostitution. Mädchen so ab 13 oder 14 kommen aus Kolumbien. In und um San Lorenzo gibt es derzeit 7 offizielle Night-Clubs. Die Mädchen sind aber oft nur auf Durchgang hier, um dann weiter in alle Teile Ecuador vermittelt zu werden. Aber es sind in der Mehrheit junge Männer zwischen 15 und 25 Jahren, zunehmend auch Frauen, die die andere Richtung einnehmen, nämlich von Ecuador nach Kolumbien. Die FARC und andere Guerillaorganisationen haben zunehmend Nachwuchssorgen. Den holen sie aus dem Ausland. Außerdem braucht die Mafia Arbeiter auf den Cocafeldern. Das sind längst keine großen Plantagen mehr, sondern meist versteckte kleine Felder mitten zwischen Bananen oder Urwald, damit sie aus der Luft nicht so schnell entdeckt und per Sprühen von Pilzkrankheiten aus Flugzeugen vernichtet werden können. Besonders zur Zeit der "Ernte" der Cocablätter und in der sogenannten Küche - den Drogenlabors, werden Arbeiter gebraucht. Der Arbeitsmarkt wird über San Lorenzo abgewickelt.
Dahinter stecken bestens organisierte Banden: Die FARC - Fuerzas Armadas Revolucionarios de Colombia, die ELN - Ejercito de Liberación Nacional -die Águilas Negras oder Los Rastrojos, letztere paramilitärische Organisationen, die den Kampf gegen die Guerilla aufgenommen hatten, aber inzwischen auch in den Sumpf des schnellen Geldes durch Drogen in Verbindung mit dem Sexgeschäft abgerutscht sind.
Die Polizei und die dort stationierte Marina sind machtlos. Der Verkehrsknotenpunkt ist unter ihren Augen entstanden. Es gibt starken Verdacht, dass zumindest die Polizei in einige der Machenschaften verwickelt sei.
Ich sehe eine ganz andere Parallele: Was in Europa derzeit über Gender-Mainstreaming, Sexualisierung der Jugend und Zerstörung von moralischen Schranken und Familie durch angebliche moderne Lebensweise geschieht, läuft hierzulande als brutaler Krieg in anderer Weise ab. Das Ergebnis ist das Gleiche. Ich arbeite jeden Monat einen Tag in San Lorenzo und behandle Patienten. Vom Verkehrskontenpunkt der Mole bekomme ich persönlich wenig mit, wohl aber ein klein wenig der Sorgen der Flüchtlinge aus Kolumbien, der Probleme der Menschen und ihrer harten Arbeit auf den Plantagen und hier und da auch der sexuellen Ausbeutung einiger Frauen. Wir brauchen mehr Zeugen Jesu an diesen "Verkehrsknotenpunkten der Welt" Wer ist bereit, sich dahin rufen zu lassen?
Aber ganz so arm ist diese Gegend lange nicht mehr. Denn vor 15 Jahren wurde eine Straße gebaut. Sie bedeutete für die Eisenbahn und den Urwald den Tod. Eine ganze Küstenregion wurde entgegen aller Beschwörungen der Regierung und Gesetze zum Schutz des Regenwaldes abgeholzt. An seine Stelle trat die afrikanische Ölpalme in riesigen Plantagen. Seitdem haben die Menschen dort Arbeit und verdienen Geld.
Aber daneben ist San Lorenzo zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt geworden, nämlich zum Nachbarn Kolumbien. War die Mole bisher Umschlagpunkt für Waren aus den Fincas, dem Fischfang und der Güter, wie Sprit und Werkzeuge zu den Dörfern, ist San Lorenzo jetzt Warenumschlagplatz zwischen Kolumbien und Ecuador und das macht sich die Mafia auch zu Nutzen. Einer jetzt veröffentlichen 64-seitigen Studie der UNO ist San Lorenzo ein Umschlageplatz für Menschen.
Da ist zunächst die Prostitution. Mädchen so ab 13 oder 14 kommen aus Kolumbien. In und um San Lorenzo gibt es derzeit 7 offizielle Night-Clubs. Die Mädchen sind aber oft nur auf Durchgang hier, um dann weiter in alle Teile Ecuador vermittelt zu werden. Aber es sind in der Mehrheit junge Männer zwischen 15 und 25 Jahren, zunehmend auch Frauen, die die andere Richtung einnehmen, nämlich von Ecuador nach Kolumbien. Die FARC und andere Guerillaorganisationen haben zunehmend Nachwuchssorgen. Den holen sie aus dem Ausland. Außerdem braucht die Mafia Arbeiter auf den Cocafeldern. Das sind längst keine großen Plantagen mehr, sondern meist versteckte kleine Felder mitten zwischen Bananen oder Urwald, damit sie aus der Luft nicht so schnell entdeckt und per Sprühen von Pilzkrankheiten aus Flugzeugen vernichtet werden können. Besonders zur Zeit der "Ernte" der Cocablätter und in der sogenannten Küche - den Drogenlabors, werden Arbeiter gebraucht. Der Arbeitsmarkt wird über San Lorenzo abgewickelt.
Dahinter stecken bestens organisierte Banden: Die FARC - Fuerzas Armadas Revolucionarios de Colombia, die ELN - Ejercito de Liberación Nacional -die Águilas Negras oder Los Rastrojos, letztere paramilitärische Organisationen, die den Kampf gegen die Guerilla aufgenommen hatten, aber inzwischen auch in den Sumpf des schnellen Geldes durch Drogen in Verbindung mit dem Sexgeschäft abgerutscht sind.
Die Polizei und die dort stationierte Marina sind machtlos. Der Verkehrsknotenpunkt ist unter ihren Augen entstanden. Es gibt starken Verdacht, dass zumindest die Polizei in einige der Machenschaften verwickelt sei.
Ich sehe eine ganz andere Parallele: Was in Europa derzeit über Gender-Mainstreaming, Sexualisierung der Jugend und Zerstörung von moralischen Schranken und Familie durch angebliche moderne Lebensweise geschieht, läuft hierzulande als brutaler Krieg in anderer Weise ab. Das Ergebnis ist das Gleiche. Ich arbeite jeden Monat einen Tag in San Lorenzo und behandle Patienten. Vom Verkehrskontenpunkt der Mole bekomme ich persönlich wenig mit, wohl aber ein klein wenig der Sorgen der Flüchtlinge aus Kolumbien, der Probleme der Menschen und ihrer harten Arbeit auf den Plantagen und hier und da auch der sexuellen Ausbeutung einiger Frauen. Wir brauchen mehr Zeugen Jesu an diesen "Verkehrsknotenpunkten der Welt" Wer ist bereit, sich dahin rufen zu lassen?
Samstag, 11. Mai 2013
Eine Form, Dank weiter zu geben
Julia ist 32 Jahre alt und lernt einen Mann kennen, den sie gerne heiraten möchte. Nach einem Motorradunfall liegen beide zusammen in einem Zimmer, weil sie nach eigenen Angaben verheiratet sind. Das ändert sich plötzlich, als seine Mutter und seine schwangere Frau am nächsten Morgen auftauchen. Er ist nach wenigen Tagen soweit, das Krankenhaus zu verlassen und verschwindet. Sie bleibt mit instabilem Beckenbruch und einem völlig zertrümmerten offenen Fersenbein noch weitere 10 Tage im Hospital. Jetzt ist längst das Geld der Versicherung aufgebraucht, aber wir können Julia nicht einfach so entlassen.
Sie selbst ist ein "gebranntes Kind", vom Stiefvater 2 Jahre lang sexuell missbraucht worden. Mit 11 Jahren verließ sie das "Zuhause", schlug sich auf der Straße durch, hat inzwischen einen fast 17 - jährigen Sohn. Beide leben in einem Zimmer, schlafen auf Matratzen ohne Bettgestell. Sie schlägt sich als Hausangestellte durch, die stundenweise hier und da ihr Geld verdient. Sie hat dem Mann geglaubt, und ihr großes Glück erahnt. Der Motorradunfall - er stark alkoholisiert - hat den Traum nicht nur platzen lassen, sondern sie in ein noch tieferes Loch gestoßen. Wie soll sie die nächsten 3 - 4 Monate überleben, in denen sie nichts verdient? ihr Sohn weiter zur Schule und beide etwas essen müssen. Und auch dann geht es nicht normal weiter.
Wir haben versucht, für sie Hilfe zu finden. Es gibt in unserem sozialistischen Staat viel Hilfe für Kinder und Alter. Da hat sich wirklich viel geändert. Doch Julia fällt hier bei allen Behörden durch das soziale Netz. Also keine Hoffnung!
Bildwechsel: Vor Jahren kam eine Familie zu uns nach einem fürchterlichen Verkehrsunfall: Sie waren schon vorbehandelt worden. Wir haben Vater, Mutter und Tochter zig-mal operiert. Auch da sind Träume geplatzt. Endergebnis: Die Tochter kann gerade so eben laufen, braucht aber noch weitere Operationen im Wachstumsverlauf, der Vater ist auf einer Seite unterschenkelamputiert, hat sich dann nochmals bei einem Sturz den Oberschenkel gebrochen. Die Mutter ist beidseits ober - und unterschenkelamputiert. Sie kann kaum mit Krücken laufen und bevorzugt den Rollator. Die Familie hat nicht nur ihr Auto und die Arbeit verloren. Sie hatten nichts mehr. Aber eine Gemeinde von Christen in Puyo haben sich ihrer angenommen. Es gab keinen Tag ohne Besuch im Hospital. Sie hatten immer zu Essen, Transport ins Krankenhaus. Heute ist diese Familie Teil der Gemeinde mit einer Liebe zu Jesus, die man spüren kann. Der Mann hat inzwischen eine Arbeit und kann die Familie ernähren.
Die Gemeinde hatte seinerzeit Julia für zwei Jahre und 100 Dollar im Monat angestellt, um die Familie zu versorgen. Gestern waren diese da, um Julia zu sagen, dass sie sich um sie kümmern werden. In zwei Tagen ist alles soweit vorbereitet. Dann kann sie bei ihnen wohnen. Auf einmal leuchten Julias Augen, hat sie weniger Schmerzen und wieder eine Zukunft. Auf die Frage, warum sie das machen kam die lapidare Antwort: "Wir haben in aussichtloser Situation soviel Hilfe erfahren. Wir wollen unseren Dank weitergeben!"
Sie selbst ist ein "gebranntes Kind", vom Stiefvater 2 Jahre lang sexuell missbraucht worden. Mit 11 Jahren verließ sie das "Zuhause", schlug sich auf der Straße durch, hat inzwischen einen fast 17 - jährigen Sohn. Beide leben in einem Zimmer, schlafen auf Matratzen ohne Bettgestell. Sie schlägt sich als Hausangestellte durch, die stundenweise hier und da ihr Geld verdient. Sie hat dem Mann geglaubt, und ihr großes Glück erahnt. Der Motorradunfall - er stark alkoholisiert - hat den Traum nicht nur platzen lassen, sondern sie in ein noch tieferes Loch gestoßen. Wie soll sie die nächsten 3 - 4 Monate überleben, in denen sie nichts verdient? ihr Sohn weiter zur Schule und beide etwas essen müssen. Und auch dann geht es nicht normal weiter.
Wir haben versucht, für sie Hilfe zu finden. Es gibt in unserem sozialistischen Staat viel Hilfe für Kinder und Alter. Da hat sich wirklich viel geändert. Doch Julia fällt hier bei allen Behörden durch das soziale Netz. Also keine Hoffnung!
Bildwechsel: Vor Jahren kam eine Familie zu uns nach einem fürchterlichen Verkehrsunfall: Sie waren schon vorbehandelt worden. Wir haben Vater, Mutter und Tochter zig-mal operiert. Auch da sind Träume geplatzt. Endergebnis: Die Tochter kann gerade so eben laufen, braucht aber noch weitere Operationen im Wachstumsverlauf, der Vater ist auf einer Seite unterschenkelamputiert, hat sich dann nochmals bei einem Sturz den Oberschenkel gebrochen. Die Mutter ist beidseits ober - und unterschenkelamputiert. Sie kann kaum mit Krücken laufen und bevorzugt den Rollator. Die Familie hat nicht nur ihr Auto und die Arbeit verloren. Sie hatten nichts mehr. Aber eine Gemeinde von Christen in Puyo haben sich ihrer angenommen. Es gab keinen Tag ohne Besuch im Hospital. Sie hatten immer zu Essen, Transport ins Krankenhaus. Heute ist diese Familie Teil der Gemeinde mit einer Liebe zu Jesus, die man spüren kann. Der Mann hat inzwischen eine Arbeit und kann die Familie ernähren.
Die Gemeinde hatte seinerzeit Julia für zwei Jahre und 100 Dollar im Monat angestellt, um die Familie zu versorgen. Gestern waren diese da, um Julia zu sagen, dass sie sich um sie kümmern werden. In zwei Tagen ist alles soweit vorbereitet. Dann kann sie bei ihnen wohnen. Auf einmal leuchten Julias Augen, hat sie weniger Schmerzen und wieder eine Zukunft. Auf die Frage, warum sie das machen kam die lapidare Antwort: "Wir haben in aussichtloser Situation soviel Hilfe erfahren. Wir wollen unseren Dank weitergeben!"
Mittwoch, 8. Mai 2013
Außenpolitischer Streit
Außenpolitisch ist derzeit einiges am Gären und das in der Zeit, in der die neue Regierung gebildet wird. Am 24. Mai tritt sie ihr Amt an. Seit Wochen wird über die Details der Programme verhandelt. Die Präsidentenpartei wird darin die absolute Mehrheit haben und kann so ziemlich alles bestimmen, also scheint alles glatt zu gehen.
Doch mitten da hinein ein Paukenschlag: Die jährliche Feier der Nationalen Union der Presse. Es ist eine Versammlung der privaten Zeitungen, also derzeit der nicht-Regierungspresse. Sie propagiert die Freiheit der Pressemeinung.
Erinnern wir uns, dass erst letztes Jahr ein Prozess gegen die größte Zeitung des Landes und gegen zwei Journalisten wegen eines Buches geführt wurde. Die Urteile endeten in Millionen Entschädigung für den Präsidenten. Keiner hätte diese Summe bezahlen können. Dann hat der Präsident in einer internationalen Pressekonferenz auf Spanisch, Englisch und Französisch den Unterlegenen großzügig die Schuld erlassen mit den Worten: "Ich erlasse die Strafe, aber ich vergesse nicht!" Seitdem ist jede regierungskritische Presse mehr als vorsichtig. Die Titelseiten ergötzen sich in Fußball, dem Tourismus und lokalen Gegebenheiten. Und dann der Paukenschlag: Der US-amerikanische Botschafter, der einzige Botschafter auf der Pressekonferenz schreibt an eine Wand, an der jeder seine Meinung kundtuen kann: Die einzige Sicherheit für die Freiheit ist eine freie Presse -Zitat von Thomas Jefferson, einem frühen amerikanischen Präsidenten .
Seitdem laufen die Reaktionen Sturm. Unser Präsident hat mehrere nationale Radiosendungen geführt, an der alle Sender mitmachen und ihr Programm unterbrechen müssen. Er hat den Botschafter "Verfluchten" und "Unerzogenen" genannt. Inzwischen wurde er vom hiesigen Außenminister ernst verwarnt. Dieser nannte ihn einen Grafittitäter. Beim nächsten Akt ähnlicher Art gäbe es ernste Konsequenzen, was auf Diplomatisch soviel wie Rausschmiss bedeutet.
Dabei ist erst vor 2 Jahren die damalige US-amerikanische Botschafterin des Landes verwiesen worden, nachdem Wikileaks einige ihrer geheimen Kommentare über die Regierung veröffentlichte. Da lagen die diplomatischen Beziehungen zum großen Bruder im Norden für lange Zeit auf Eis.
Jetzt wird sich Mancher fragen, was das mit Außenpolitik zu tun hat? Die neue Regierung macht derzeit eine Kehrtwendung. Bisher wurden Partner gesucht wie die Chinesen oder auch der Iran, nur um die Abhängigkeit zu den USA zu verringern. Die Chinesen haben das Land besetzt. Sie bauen Großprojekte, sie bauen inzwischen Autos in Ecuador. Reifen und vieles andere kommen aus China und unser Erdöl gehört dem Reich der Mitte. Persien ist auch kein zuverlässiger Partner mehr. Also fährt Ecuador nun auf die EU ab. Unser Staatsoberhaupt hat vor kurzem Deutschland besucht, ein Besuch der wechselnden Interessen. Gemeint war die gesamte EU. Seit einiger Zeit sieht man vermehrte Importe von LKWs aus Deutschland. Anderes ist weniger sichtbar. Und Geschäftspartner kritisieren einander nicht. Die USA lassen sich da nicht so einfach vor ihrer Haustüre Geschäfte wegnehmen, also werden Menschenrechte vorgeschoben. Ein Botschafter geht nicht einfach als Sonntagsspaziergang zu so einer Konferenz, zumal er der einzige Botschafter war. Die gerade noch freie Presse freut sich über die Rückenstärkung. Aber der Stachel des Anstoßes sitzt ebenfalls tief.
Wie anders derzeit der Ärger mit dem südlichen Nachbarn Peru, wo der hiesige Botschafter sich mit zwei Frauen in einem Supermarkt gestritten und sie beleidigt haben soll. Die fordern ein strafrechtliche Klärung des Falles, was Ecuador ablehnt. Jetzt wird über einen Austausch des Botschafters nachgedacht - Lösung auf südamerikanisch, aber es zeigt die fehlende Freundschaft zum sozialistischen Präsidenten Perus an, der doch eigentlich unser Freund sein sollte.
Doch mitten da hinein ein Paukenschlag: Die jährliche Feier der Nationalen Union der Presse. Es ist eine Versammlung der privaten Zeitungen, also derzeit der nicht-Regierungspresse. Sie propagiert die Freiheit der Pressemeinung.
Erinnern wir uns, dass erst letztes Jahr ein Prozess gegen die größte Zeitung des Landes und gegen zwei Journalisten wegen eines Buches geführt wurde. Die Urteile endeten in Millionen Entschädigung für den Präsidenten. Keiner hätte diese Summe bezahlen können. Dann hat der Präsident in einer internationalen Pressekonferenz auf Spanisch, Englisch und Französisch den Unterlegenen großzügig die Schuld erlassen mit den Worten: "Ich erlasse die Strafe, aber ich vergesse nicht!" Seitdem ist jede regierungskritische Presse mehr als vorsichtig. Die Titelseiten ergötzen sich in Fußball, dem Tourismus und lokalen Gegebenheiten. Und dann der Paukenschlag: Der US-amerikanische Botschafter, der einzige Botschafter auf der Pressekonferenz schreibt an eine Wand, an der jeder seine Meinung kundtuen kann: Die einzige Sicherheit für die Freiheit ist eine freie Presse -Zitat von Thomas Jefferson, einem frühen amerikanischen Präsidenten .
Seitdem laufen die Reaktionen Sturm. Unser Präsident hat mehrere nationale Radiosendungen geführt, an der alle Sender mitmachen und ihr Programm unterbrechen müssen. Er hat den Botschafter "Verfluchten" und "Unerzogenen" genannt. Inzwischen wurde er vom hiesigen Außenminister ernst verwarnt. Dieser nannte ihn einen Grafittitäter. Beim nächsten Akt ähnlicher Art gäbe es ernste Konsequenzen, was auf Diplomatisch soviel wie Rausschmiss bedeutet.
Dabei ist erst vor 2 Jahren die damalige US-amerikanische Botschafterin des Landes verwiesen worden, nachdem Wikileaks einige ihrer geheimen Kommentare über die Regierung veröffentlichte. Da lagen die diplomatischen Beziehungen zum großen Bruder im Norden für lange Zeit auf Eis.
Jetzt wird sich Mancher fragen, was das mit Außenpolitik zu tun hat? Die neue Regierung macht derzeit eine Kehrtwendung. Bisher wurden Partner gesucht wie die Chinesen oder auch der Iran, nur um die Abhängigkeit zu den USA zu verringern. Die Chinesen haben das Land besetzt. Sie bauen Großprojekte, sie bauen inzwischen Autos in Ecuador. Reifen und vieles andere kommen aus China und unser Erdöl gehört dem Reich der Mitte. Persien ist auch kein zuverlässiger Partner mehr. Also fährt Ecuador nun auf die EU ab. Unser Staatsoberhaupt hat vor kurzem Deutschland besucht, ein Besuch der wechselnden Interessen. Gemeint war die gesamte EU. Seit einiger Zeit sieht man vermehrte Importe von LKWs aus Deutschland. Anderes ist weniger sichtbar. Und Geschäftspartner kritisieren einander nicht. Die USA lassen sich da nicht so einfach vor ihrer Haustüre Geschäfte wegnehmen, also werden Menschenrechte vorgeschoben. Ein Botschafter geht nicht einfach als Sonntagsspaziergang zu so einer Konferenz, zumal er der einzige Botschafter war. Die gerade noch freie Presse freut sich über die Rückenstärkung. Aber der Stachel des Anstoßes sitzt ebenfalls tief.
Wie anders derzeit der Ärger mit dem südlichen Nachbarn Peru, wo der hiesige Botschafter sich mit zwei Frauen in einem Supermarkt gestritten und sie beleidigt haben soll. Die fordern ein strafrechtliche Klärung des Falles, was Ecuador ablehnt. Jetzt wird über einen Austausch des Botschafters nachgedacht - Lösung auf südamerikanisch, aber es zeigt die fehlende Freundschaft zum sozialistischen Präsidenten Perus an, der doch eigentlich unser Freund sein sollte.
Montag, 6. Mai 2013
Auch in Ecuador ist die Rente nicht mehr sicher
IESS ist die Abkürzung für Instituto de Seguridad Social Ecuatoriana, das staatliche Sozialversicherungssystem. Es wurde 1970 während einer Militärdiktatur und dem beginnenden Ölrausch gegründet, als man im Osten des Landes Erdöl entdeckte. Es wurde als Dachorganisation der wichtigsten Nöte des Landes gegründet. Damals glaubte man noch an Geld für alle.
Drei Versicherungen gehören dazu.
Die größte ist die Krankenversicherung. Mit eigenen Krankenhäusern wird jeder versorgt, der in Arbeit steht. Ein halbes Jahr nach Eintritt hat man Anrecht auf ambulante und nach einem Jahr auf stationäre Behandlung.
Die zweite Versicherung ist die der Berufskrankheiten und Berufsunfälle bis hin zu Frührenten.
Die dritte ist die Sozialversicherung der Campesinos, der Bauern auf ihren kleinen Feldern auf dem Land.
Daneben werden aber auch Gelder ausgeliehen. So kann man sich seinen privaten Hausbau mitfinanzieren lassen, es gibt Darlehen für Studiengebühren der Kinder, die dann bei geringem Prozentsatz zurückgezahlt werden müssen.
Der Löwenanteil der Einnahmen ist aber die Rentenversicherung der Mitglieder.
21 % des Lohnes werden in das IESS eingezahlt, knapp die Hälfte vom Arbeitnehmer, etwas mehr vom Arbeitgeber. Doch seit wir Ecuador kennen, ist das IESS am Rande einer Pleite.
Da war zunächst einmal die fehlende Zahlungsmoral. Freiberufliche oder Zusatzeinkünfte gab man grundsätzlich nicht an, also kam auch wenig in der Versicherung an. Das hat sich in den letzten 15 Jahren drastisch geändert. Kontrollen und saftige Strafen haben das Denken fürs IESS und auch fürs Finanzamt geändert. Und mit Computervernetzung ist die Kontrolle immer besser. Weshalb dann heute die Sorgen des Systems?
Das Krankenhausystem ist ein Filz geworden. Gewerkschaften haben ihre Macht ausgespielt und es wurden Medikamente und medizinische Geräte verschoben. Oft genug mussten Dienste an die privaten Arztpraxen abgegeben wurden, die sich um solche Hospitäler ansiedelten. Die medizinischen Dienste waren nicht effektiv genug.
Aber den größten Aderlass hat die jetzige sozialistische Regierung veranlasst.
- War vorher der Arbeiter selbst versichert, ist es jetzt auch seine Frau, die nicht beschäftigt ist und alle Kinder bis 18 Jahren. Plötzlich hat sich über Nacht die Zahl der Versicherten vervielfacht bei gleichen Einnahmen.
- Die Renten wurden deutlich erhöht, was auch sozial nötig und wahlkampftechnisch wirksam war.
- Der Staat braucht Geld und unter dem Motto: Kapital soll nicht auf der Bank liegen, sondern arbeiten, hat der Staat beim IESS Darlehen aufgenommen, die er zusammen mit anderen Verpflichtungen derzeit in Absichtserklärungen zurückzahlt.
- Am meisten macht den Planern aber die Zukunft zu schaffen. Denn die letzte Volkszählung 2010 macht deutlich, dass die Bevölkerungspyramide an der Basis zurück geht. In Kürze wächst Ecuador nicht mehr. Ich habe bei diesem Bericht bewusst die Zahlen weggelassen, denn sie sagen einem Ausländer wenig. Aber derzeit wird ein Rentner von 7 Einzahlern gestützt. 2050 werden es höchstens noch 3,5 aktive Arbeitende sein. Folglich wird auch hier schon nachgedacht über:
- Das Renteneintrittsalter soll ab 2015 von derzeit 60 Jahre bis 2035 auf 65 Jahre angehoben werden.
- Der Beitragssatz für den Arbeitnehmer soll von derzeit 9,7% des Lohnes auf 17,8% angehoben werden.
- Und sicher werden manche Kredite und Extragelder, die sich ältere Leute als Kredite holen, dann schleifen lassen bis sie versterben, auch nicht mehr so schnell genehmigt.
Als Fazit merkt man, dass staatliche Monopolriesen auf Dauer nicht effektiv sind. Da ist immer Korruption im Spiel, die sich nicht ausmerzen lässt. Aber auch in Ecuador macht sich die Altersspirale und fehlenden Nachkommen bemerkbar - jetzt noch auf dem Papier, bald aber in der Wirklichkeit. Und der Staat muss lernen, sich nicht bedienen zu dürfen. Kredite, die vielleicht andere Regierung nur schwer zurückzahlen können.
Irgendwann wird aber eine spätere Regierung wieder versuchen, diesen Monopolriesen zu zerschlagen. Dann aber wird sie es wie in der Vergangenheit wieder mit der Bevölkerung zu tun bekommen. Trotz aller Missstände, langen Wartezeit und vielen anderen Unzulänglichkeiten, will doch keine sein IESS missen. Dann werden wieder die guten Seiten erzählt, als die totkranke Oma doch noch weiterleben durfte, wie man den Kredit fürs Haus kam und der Sohn studieren durfte. Also bleibt das IESS und schwank weiter vor sich hin. Aber ist das in Europa oder Nordamerika anders? Jeder liebt sein System und schimpft, wenn etwas zu langsam geht und die Finanzen einen persönlich betreffen.
Drei Versicherungen gehören dazu.
Die größte ist die Krankenversicherung. Mit eigenen Krankenhäusern wird jeder versorgt, der in Arbeit steht. Ein halbes Jahr nach Eintritt hat man Anrecht auf ambulante und nach einem Jahr auf stationäre Behandlung.
Die zweite Versicherung ist die der Berufskrankheiten und Berufsunfälle bis hin zu Frührenten.
Die dritte ist die Sozialversicherung der Campesinos, der Bauern auf ihren kleinen Feldern auf dem Land.
Daneben werden aber auch Gelder ausgeliehen. So kann man sich seinen privaten Hausbau mitfinanzieren lassen, es gibt Darlehen für Studiengebühren der Kinder, die dann bei geringem Prozentsatz zurückgezahlt werden müssen.
Der Löwenanteil der Einnahmen ist aber die Rentenversicherung der Mitglieder.
21 % des Lohnes werden in das IESS eingezahlt, knapp die Hälfte vom Arbeitnehmer, etwas mehr vom Arbeitgeber. Doch seit wir Ecuador kennen, ist das IESS am Rande einer Pleite.
Da war zunächst einmal die fehlende Zahlungsmoral. Freiberufliche oder Zusatzeinkünfte gab man grundsätzlich nicht an, also kam auch wenig in der Versicherung an. Das hat sich in den letzten 15 Jahren drastisch geändert. Kontrollen und saftige Strafen haben das Denken fürs IESS und auch fürs Finanzamt geändert. Und mit Computervernetzung ist die Kontrolle immer besser. Weshalb dann heute die Sorgen des Systems?
Das Krankenhausystem ist ein Filz geworden. Gewerkschaften haben ihre Macht ausgespielt und es wurden Medikamente und medizinische Geräte verschoben. Oft genug mussten Dienste an die privaten Arztpraxen abgegeben wurden, die sich um solche Hospitäler ansiedelten. Die medizinischen Dienste waren nicht effektiv genug.
Aber den größten Aderlass hat die jetzige sozialistische Regierung veranlasst.
- War vorher der Arbeiter selbst versichert, ist es jetzt auch seine Frau, die nicht beschäftigt ist und alle Kinder bis 18 Jahren. Plötzlich hat sich über Nacht die Zahl der Versicherten vervielfacht bei gleichen Einnahmen.
- Die Renten wurden deutlich erhöht, was auch sozial nötig und wahlkampftechnisch wirksam war.
- Der Staat braucht Geld und unter dem Motto: Kapital soll nicht auf der Bank liegen, sondern arbeiten, hat der Staat beim IESS Darlehen aufgenommen, die er zusammen mit anderen Verpflichtungen derzeit in Absichtserklärungen zurückzahlt.
- Am meisten macht den Planern aber die Zukunft zu schaffen. Denn die letzte Volkszählung 2010 macht deutlich, dass die Bevölkerungspyramide an der Basis zurück geht. In Kürze wächst Ecuador nicht mehr. Ich habe bei diesem Bericht bewusst die Zahlen weggelassen, denn sie sagen einem Ausländer wenig. Aber derzeit wird ein Rentner von 7 Einzahlern gestützt. 2050 werden es höchstens noch 3,5 aktive Arbeitende sein. Folglich wird auch hier schon nachgedacht über:
- Das Renteneintrittsalter soll ab 2015 von derzeit 60 Jahre bis 2035 auf 65 Jahre angehoben werden.
- Der Beitragssatz für den Arbeitnehmer soll von derzeit 9,7% des Lohnes auf 17,8% angehoben werden.
- Und sicher werden manche Kredite und Extragelder, die sich ältere Leute als Kredite holen, dann schleifen lassen bis sie versterben, auch nicht mehr so schnell genehmigt.
Als Fazit merkt man, dass staatliche Monopolriesen auf Dauer nicht effektiv sind. Da ist immer Korruption im Spiel, die sich nicht ausmerzen lässt. Aber auch in Ecuador macht sich die Altersspirale und fehlenden Nachkommen bemerkbar - jetzt noch auf dem Papier, bald aber in der Wirklichkeit. Und der Staat muss lernen, sich nicht bedienen zu dürfen. Kredite, die vielleicht andere Regierung nur schwer zurückzahlen können.
Irgendwann wird aber eine spätere Regierung wieder versuchen, diesen Monopolriesen zu zerschlagen. Dann aber wird sie es wie in der Vergangenheit wieder mit der Bevölkerung zu tun bekommen. Trotz aller Missstände, langen Wartezeit und vielen anderen Unzulänglichkeiten, will doch keine sein IESS missen. Dann werden wieder die guten Seiten erzählt, als die totkranke Oma doch noch weiterleben durfte, wie man den Kredit fürs Haus kam und der Sohn studieren durfte. Also bleibt das IESS und schwank weiter vor sich hin. Aber ist das in Europa oder Nordamerika anders? Jeder liebt sein System und schimpft, wenn etwas zu langsam geht und die Finanzen einen persönlich betreffen.
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