Freitag, 8. Februar 2013

Ecuador macht weiter Schulden

Derzeit ist die heiße Phase des Wahlkampfes angebrochen und da darf man nicht so manches Wort auf die Goldwaage legen. Die Kandidaten ziehen durch Land und hier und da beschweren sie sich, dass die Regierung Hilfe von der lokalen Polizei und dem Militär erhalten. Die Regierung begründet dies mit einem Anschlag auf eine Wahlveranstaltung an der Küste, in der ein wohl Betrunkener zwei Personen erstochen und andere lebensgefährlich verletzt hat. Da scheinen auch Drogen mit eine Rolle zu spielen.

Aber etwas ganz Anderes schwelt unter der Oberfläche des Staates Ecuadors -die Schuldenfalle. Dabei kann ich hier nur einen Teil der offiziellen Schulden erwähnen, ohne weiteren Einblick in die Einzelheiten des Staates zu haben,
Seit 1985, also lange vor der jetzigen Regierung, ist der Staat war der Staat mit 40% der Beiträge für die hiesige Sozialversicherung säumig. Zwischen 1985 und 2007 fehlten bereits 2.5 Mrd. Dollar in der Pensionskasse des staatlichen Sozialsystems. Ca. eine Mrd. wurde daraufhin zurückgezahlt. Das klingt gut, aber es waren fast nur die angelaufenen Zinsen.

Was hier abläuft sind staatliche Verträge, gegen die kaum jemand was anhaben kann. Aber sie sind gegen das Grundgesetz. Unter dem Vorwand, das angespartes Geld in der Staatskasse - gemeint die Rentenrücklagen – seien totes Kapital, das besser für Investitionen einzusetzen ist, hat sich der Staat dieses Geld geborgt. Welche Garantie der Rückzahlung gibt es, besonders bei einem Regierungswechsel?

Inzwischen belaufen sich die offiziellen Staatsschulden auf extern fasta#7,5 Mrd. Dollar, die internen auf fast 11 Mrd. also gut 18 Mrd. Dollar insgesamt. Das erscheint verträglich. Doch daneben gibt "umgebuchte Schulden". Das sind Staatsverträge hauptsächlich mit China, wo in Petroleumwährung zurückgezahlt wird, wann China es will. 80% unseres Ölexportes geht derzeit ohnehin an den Riesen aus Asien.

Ehemalige Finanzminister der gleichen Regierung schlagen bereits Alarm wegen der Verschuldung. Das sei gegen die Verfassung! Aber niemand kennt die wirklichen Zahlen. Eine Kontrolle von außen etwa durch die neutrale Presse fehlt völlig. Ich fürchte, dem Volk wird derzeit Sand in die Augen gestreut - es soll schlafen - wenigstens bis nach den Wahlen.

Die Regierung hat zweifelsohne beeindruckende Fortschritte aufzuweisen, aber wie immer stellt sich die Frage, inwieweit das alles auch mittelfristig zu finanzieren ist. Internation ist Ecuador als sozialistischer Staat wenig kreditwürdig. Und ob Iran, Venezuela und China bessere Geschäftspartner sind, bleibt abzuwarten. Wir wissen nur, dass wir statt der USA nun zu 80% oder mehr von China abhängig sind. Wir sind ein Baustein mehr für China auf dem Weg zur Weltmacht der Zukunft.

Sonntag, 3. Februar 2013

Sicherheitszonen in Quito

Der Großteil der Hauptstadt Ecuadors liegt in einer Wanne am Fuß des Vulkans Pichincha. So ist die Stadt nur 6 - 8 km breit, erstreckt sich aber über eine Länge von über 65 km. Die Stadt wächst, aber hauptsächlich in einem weiteren Tal ca. 400 m tiefer. Zwischen dem tiefsten und dem höchsten bewohnten Teil der über 2 Mio. - Stadt klaffen mehr als 700 m Höhenunterschied. Bei heftigen Regengüssen besonders in der langen Regenzeit kommt es deswegen oft zu Schlammlawinen, die die Kanalisation verstopfen. Manche Häuser sind auch an Abhängen gebaut und stürzen bei Erdrutsch ab. Der tiefste Teil der Stadt  ist die Straße Rio Amazonas und bei Platzregen hebt es dort immer noch gelegentlich die Kanaldeckel und Teile der Straße verwandeln sich in einen Fluss. Zwar hat die Stadt große Anstrengungen unternommen, neue Abwassersystem ins tiefere Tal zu bauen, aber lokal kann es in einzelnen Stadtteilen immer noch zu Überflutungen kommen.
Dann ist Quito immer in Gefahr durch Lava oder Schlamm aus dem Vulkan, so geschehen vor gut 10 Jahren. Und Erdbeben haben wir zwar in den letzten Jahren vergessen aber sie sind eine immerwährende Gefahr.
All diese möglichen Gefahren haben die Stadtverwaltung Quitos dazu veranlasst nach vielen Jahren der Verbesserungen des Regenabwassers, vom Bau von Auffangregionen für mögliche Schlammlawinen des Vulkans ein System der Sicherheitszonen zu schaffen. Für viel Geld wurde jetzt Sicherheitskonzept erarbeitet. Es sind hauptsächlich Parks, die Sicherheitszonen sind. Aber es geht hier um weit mehr als nur Schilder anzubringen. Dazu muss auch die Infrastruktur stimmen. Menschen müssen auch auf halbwegs sicheren Straßen dorthin gelangen. Dann muss ein Gebäude stehen, das bei Bedarf mit Decken und Zelten aus einem Zentrallager versorgt wird. Ärztlicher Dienst muss anwesend sein, Medikamente auszugeben muss gewährleistet sein. Denn es könnte sich ja auch um ein großes Feuer in einem Stadtviertel handeln. 30 solcher Sicherheitszonen wurden jüngst eingerichtet. Über 700 000 Bewohner der Hauptstadt des alten Quitos wären damit versorgt. Fehlen jetzt noch die Bewohner in den tiefer gelegenen Teilen, aber die haben viel mehr Grünflächen und sicheren Zuflucht als in der dicht besiedelten Region der alten Stadt. Jetzt will man erst einmal die Wahlen am 17. Februar abwarten, dann wird das neue System den Bürgern der Stadt erklärt und Übungen für die Nachbarschaft durchgeführt werden. Man merkt, wie die Stadt aus den Fehlern und Katastrophen der Vergangenheit gelernt hat.

U-Haft in Ecuador

Große Menschentrauben bilden sich am Eingang des großen Gebäudes in Quito, besonders am Wochenende. Die Familien wollen ihre Angehörigen besuchen, die in Untersuchungshaft sitzen. Die Regierung Correa hat eine eigene Einheit geschaffen, in der in flagranti - Erwischte Täter bis zur Verurteilung hinter Gittern sind. Das ist sicher begrüßenswert, denn in der Provinz hocken Untersuchungshäftlinge oft wochenlang ohne Essen und Hoffnung zu 15 oder 20 Mann in einer Zellen, so dass man kaum Platz nachts zum Liegen ist. Und obwohl es eine Obergrenze der Haftzeit gibt, bleiben manche bis über ein halbes Jahr in Untersuchungshaft. Sie selbst müssen dafür kämpfen, dass ihre Unschuld bewiesen wird.
Da gibt es von Seiten der Polizei oder Staatsanwaltschaft oft wenig Aktivität und der Motto: Wer erst einmal eingesperrt ist, der wird sich schon selbst rühren und Beweise heranschaffen.
Dazu kommt, dass es hier kaum Personenschutz gibt. Die Presse tritt täglich im Bildzeitungsstil die Privatsphäre der Menschen mit Bild und Namen breit. Auch wenn sich später die Unschuld heraus stellt - der Ruf ist erst einmal ruiniert.
Von bisher 140 931 Anzeigen gegen Personen in Ecuador im letzten Jahr landesweitüber 67 000 wurden mangels Beweisen wieder fallen gelassen. Bei fast 13.000 Fällen wurde ein Verfahren eröffnet und 3 230 verurteilt. Doch weit mehr Personen gehen erst einmal in Untersuchungshaft.
Da ist die erste Gruppe der harten Verbrechen wie Mord oder schwerer Diebstahl. Deren Angeklagte bleiben länger und die Verurteilung zieht sich oft lange hin. Eine Gruppe sind vermeintliche Diebstähle, wie es neulich in Quito passierte. Bei einer Srassenkontrolle wurden Autoteile entdeckt - die Insassen des Fahrzeuges in U-Haft gesteckt. Dann stellte sich heraus, dass sie Schrotthändler waren, die aus den verschiedenen Werkstätten Schrott wie Plastikteile, alte Sicherheitsgurte etc. abgeholt hatten.
Eine neue und in der Zahl wachsende Gruppe sind die der Sexualdelikte. Wir könnten darüber Bücher schreiben. Neben wirklichen Tätern sitzen nun zunehmend Männer im Knast, weil sie keine Gegenargumente gegen Anschuldigungen der Mädchen haben, die aus den verschiedensten Motiven "durchgedreht und Geschichten erfunden haben“. Da ist etwa der junge Mann über 18 Jahre, der ein Jahr lang mit seiner minderjährigen Freundin zusammen wohnt. Sie haben vielleicht mittlerweile ein Kind. Dann hat die Mutter des Mädchens mit ihren Tricks die Tochter davon überzeigt, dass der Mann nicht der richtige für sie ist. Die Tochter wendet sich gegen ihren Freund, der nun der sexuellen Nötigung angeklagt wird und in der U-Haft verschwindet - später ab in den "normalen Strafvollzug".
Zwar gibt es immer wieder Reformen im Strafvollzug. Und einige Richter versuchten, die Zahl der Haftinsassen von vorne herein zu begrenzen. Sie nahmen 2/3 der von der Polizei Aufgegriffenen nicht in den Gefängnissen auf, sondern ließen sie frei bis zur Verhandlung ihres Falles. Am 12. Mai 2012 wurden diese Richter auf Anordnung des Präsidenten persönlich sanktioniert, da laut Correa 95 - 97% dieser in flagranti - Aufgegriffenen hinter Gittern gehören.
Die Verfassung und die Wirklichkeit des Straffvollzuges liegen auch in Ecuador weit auseinander. Nicht zuletzt die neu eingestellten Gefängniswärter haben sich als ein Flopp erwiesen. Die Alten, Erfahrenen wurden gegen neue, die im Schnellkurs ausgebildet wurden ausgetauscht. Jetzt ist die Korruption in den Gefängnissen schlimmer als vorher. Der Staat merkt das und versucht jetzt, die ehemaligen Gefängniswärter wieder teilweise zurück zu holen Gefangener in Ecuador zu sein ist alles andere als bequem. es sind die täglichen Sticheleien und Schläge der Gefangenen untereinander, jetzt auch noch in Gemeinschaft mit korrupten Gefängniswärtern, die ihre Macht ausspielen, die einem das Leben zur Hölle machen können.
Und in Zeiten der Unsicherheit, besonders, im Wahlkampf, sich hart im Kampf gegen die Kriminalität zu zeigen - auch wenn es wenig differenziert ist sondern Schwarz-Weiß - Malerei.
Erst wenn die Justiz unabhäbgig von der Politik wird, kann sich da etwas ändern!!!
 

Mittwoch, 23. Januar 2013

Es bleibt ein Rätsel

Vor einem Jahr waren Becher im Außenministerium verpackt und als Diplomatengepäck an das ecuatorianischen Konsulat in Mailand geschickt worden. Ziel war eine Tourismusbörse in Mailand. Der italienische Zoll hielt die Ware auf, bat einige Zeit um Freigabe und als die erfolgte, fand man in den Bechern mit doppeltem Boden flüssiges Cocain. Ein Skandal belastete die Regierung unseres Landes. Seitdem sind zwei der Künster der Tourismusbörse in Haft und bleiben es wohl noch einige Zeit. Die Konsulin in Mailand weiß von nichts, obwohl es auch da einige Ungereimtheiten gab und in Ecuador ist man seitdem angeblich "fieberhaft" darum bemüht, den Skandal aufzuklären und die Hintermänner dingfest zu machen.
Seitdem herrscht hier immer wieder große Aktivität, aber Ergebnisse gibt es keine. Immerhin handelt es sich um 40 Kilo Cocain - keine Kleinigkeit.
Angeblich werden alle diplomatische Gepäckstücke vor der Abreise von der Narkobehörde kontrolliert. Der hiesige Kanzler als Chef der Aufsichtsbehörde wird in regelmäßigen Abständen von der freien Presse zu diesem Thema befragt - bisher keine Aussagen zu den Hintermännern hier in Ecuador. Stattdessen veröffentlicht die Regierung immer wieder die neuen Regelungen für die Verpackung und Verschiffung von diplomatischem Gepäck. Jetzt wurde ein ganzes Handbuch mit Richtlinien vorgestellt. In den Lagerräumen sind Kameras installiert für eine 24 - Std. - Überwachung, alle Pakete werden mehrfach überprüft, von den Narkobehörden, mit Durchleuchtung und es gibt ein strenges Reglement, wer die Räume betreten darf.
Der Staatsanwalt betonte auf der letzten Pressekonferenz, dass hinter diesem Akt nicht die Drogenmafia steckt. Der Polizeiverantwortliche für Drogenabwehr beteuert nach langwiegen Untersuchungen, dass kein Polizist in die Affäre verwickelt sein kann.

Die Wahrheit wird wohl nie ans Licht kommen, so sehr die italienischen Behörden auch nach Aufklärung drängen. Starke Worte und viele Vorschriften sollen so etwas in Zukunft verhindern, aber sie lenken vom eigentlichen Thema ab, dass in den eigenen Reihen irgend jemand die Gunst der Stunde zu nutzen versucht hat und mal wieder mit offizieller Hilfe des Staates sein Geschäft machen wollte und diese Person hat es verstanden, sich unbemerkt aus dem Staub zu machen. Das soll jetzt mit vielen Worten und einem ganzen Handbuch vertuscht werden. So werden die beiden "Empfänger" und vielleicht Hauptakteure ihre Jahre in Italien absitzen müssen, während hier das Leben weitergeht. Und die Narkoszene hat längst neue Wege gefunden, "ihr Produkt" auch wieder nach Italien zu liefern.

Dienstag, 22. Januar 2013

Yachay, das neue Starprojekt der Regierung Correa

In der Propaganda ist das Projekt schon jetzt eines der größten der Regierung Correas - eine neue Universitätsstadt, die Ecuador wissenschaftlich voranbringen soll. Yachay ist ihr Name.
4 270 Hektar groß und abseits der Ballungszentren im Norden Ecuadors ca 20 km Nordwestlich von Ibarra wurde dieser Tage mit den ersten Vorbereitungen begonnen. Das Gebiet ist reine Landwirtschaft mit Haciendas, auf denen wichtige Persönlichkeiten der Geschichte Ecuadors lebten, u.a. der erste Präsident des Landes, Juan José Flores.
Hintergrund ist eine Reform der Universitäten des Landes. Die sprossen wie Pilze aus dem Boden. Jeder, der sich berufen fühlte, eröffnete eine Uni. Da gab es eine strenge wissenschaftliche Prüfung, bei der die Regeln neu festgelegt und einige Universitäten über Nacht geschlossen wurden. So viel wissenschaftlich wird nicht überall gearbeitet und das ist jetzt eines der ausschlaggebenden Kriterien. Jetzt soll eine neue, staatliche Eliteuniversität auf der grpnen Wiese entstehen mit Wohnungen für die Professoren, Freizeitmöglichkeiten und Wohngelegenheiten für Studenten - eine neue Wissenschaftsstadt. Innerhalb von 16 Jahren sollen insgesamt 20 Mrd. Dollar dort in verschiedenen Abschnitten investiert werden. Die ersten Vorberitungen haben bereits begonnen. Die Pionieren des ecuatorianischen Heeres sollen derzeit Wasser und Abwasser vorbereiten. Erste Häuser werden gebaut, andere abgerissen. Der Staat beginnt eine umfangreiche Enteignungskampagne, die nicht alle Eigentümer gutheißen.
Das Gebiet ist derzeit noch bestimmt von der Landwirtschaft. Tomaten, Bohnen, Zitrusfrüchjte und Baumwolle werden dort angebaut daneben ist Zuckerrohr seit der Zeit um 1920 die Haupteinnahmequelle dieser Region. Das wird sich nicht so schnell ändern, denn erst in 16 Jahren solldie Uni ihr volles Programm fahren. Dann wird dort gelehrt und vor allem auf hohem Niveau geforscht. Die wissenschaftliche Elite des Landes wird dort leben. Der Bürgermeister des Dorfes Uruquí, wo jetzt schon die ersten Schilder aufgestellt wurden, ist begeistert. 7 große Haciendas der Gegend werden einverleibt werden.

Die Bewohner der Gegend sind derzeit noch hin und hergerissen, Viele fürchten die enteignung, denn sie bekommen nur einen Bruchteil des wirklichen Wert des Landes. Kleinbauern würden ihre Existenz verlieren. Ob das Projekt Wirklichkeit wird, ist auch noch anzuzweifeln. Aber wenn die derzeitige Regierung, die auch mit SDicherheit die nächste stellen wird, derzeit Tatsachen schafft und Millionen investiert, dann gibt es wohl kaum noch ein Zurück für die, die in 16 Jahren die Einweihungsfeier ausrichten dürfen. Es ist vielleicht das ehrgeizigste Projekt der Regierung Correa.

Montag, 21. Januar 2013

Eine erfüllte Zeit

Wir sind jetzt in Shell. Das Feiern ist vorüber. Julia, unsere Älteste, ist wieder zurück in Deutschland und bereitet sich auf den Missionsdienst für ein Jahr in Ecuador vor. Benedikt  und Familie sind gerade eben wieder in Deutschlands Winter angekommen. Sie mussten von Amsterdam mit dem Zug nach Frankfurt fahren. Franziska mit Familie sind noch einen Woche in Quito. Der Alltag hat wieder begonnen und wir sind noch ganz erfüllt von den Eindrücken der letzten zwei Wochen.
Monika hat ihren David geheiratet. In der Vorbereitung waren "die Deutschen" aufgeregter als "die Latinos". Es hat in letzter Minute doch noch alles geklappt. Eine wunderschöne Trauung mit anschließendem Empfang der Gemeinde - viele Bilder und eine gute Zeit miteinander.
Dann die Hochzeitsfeier in einem Saal in Quito - der einzige Regen am Nachmittag - der aber richtig heftig. Nach dem Essen Reden und Beiträge - für die Kinder langweilig. Sie zogen das Spielen auf der Tanzfläche vor. Dann aber beim Tanz drehten vor allem Sina und Emelie auf und hielten bis Mitternacht durch bis hin zur physischen Erschöpfung. Die beiden waren nach der Braut der Mittelpunkt, während wir Älteren schon einen Schwung Kinder ins Bett brachten. Um 5.00 am Hotel des Brautpaares, das erst geweckt werden musste, weil sie Uhr und Handy vergessen hatten - dann schnell zum Flughafen in die Flitterwochen nach Panama. Wir anderen haben dann erst einmal langsam getan, die restlichen Kuchen mit der Gemeinde geteilt und Eckehart hat gepredigt.
Dann kam eine Woche Familienleben in Quito, nicht immer einfach, weil Sina und Emelie Schule hatten und Arbeiten für die Zwischennoten schrieben. So viele so eng beieinander, war auch manchmal spannungsreich.
Der weitere Höhepunkt war ein Familientreffen im Gästehaus in Papallacta hoch in den Bergen am ehemaligen Kraftwerk unserer Mission. 22 Personen mit 10 kleinen Kindern fallen überall auf und es gab auch viel Reibungsfläche für Zank und Auseinandersetzung, aber es war schön, einmal in aller Ruhe und Tiefe auszutauschen. Zusammen haben wir das Baden in den Thermen genossen.
Es wird wohl für viele Jahre das letzte große Familientreffen gewesen sein, denn für Manche von uns ist die Zukunft mit Ortswechsel verbunden, für weitere Enkel beginnt dieses Jahr die Schule und da werden gemeinsame Treffen schwieriger werden.
Dennoch war es eine Freude, nochmals alle zusammen zu haben und den gemeinsamen Segen zu feiern. Hoffentlich ist das nächste Familientreffen nicht eine Beerdigung.
Wir haben Gottes Segen gespürt, gelebt und gefeiert - sicherlich einer der Höhepunkt unseres Lebens.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Gespannte Erwartung in der Karibik


     Politik kann langweilig sein und immer Dasselbe bieten. Und dann kommt auf einmal eine ganze Region ins Rollen und die Ereignisse überschlagen sich. Das ist derzeit in der Karibik der Fall. Hugo Chávez hat sich mit großen Fernsehauftritten von seinem Volk verabschiedet und sich zur Krebsbehandlung nach Kuba begeben. Die Medien sind voll von Solidaritätskundgebungen und Gebeten der Massen Venezuelas.
Erinnern wir uns, dass erst im September 2012 Hugo Chávez die Präsidentschaftswahlen in Venezuela mit Mehrheit im ersten Wahldurchgang gewonnen hatte. Aber die Zustimmung war nicht mehr ganz so groß wie beim letzten Mal gewesen. Anfang 2013 sollte er sein Amt erneut antreten. Schon seit 2011 ist es vermutlich wegen Prostatakrebs in Havanna in Behandlung. Erst im letzten Sommer verkündete er stolz seinem Volk, dass er den Krebs besiegt hatte und nun zu neuen Taten schreiten würde. Den Wahlkampf hatte er mit Bravour durchgestanden. Und jetzt der Rückfall?
    Wer etwas von Tumorbehandlung versteht, hat es Chávez angesehen, dass er aufgedunsen und voller Medikamente steckte. Vermutlich plagen ihn jetzt die Knochenmetastasen. Aber er hat geschickt die Wahl gewonnen. Jetzt, zum ersten Mal, hat er einen möglichen Nachfolger genannt, den Vizepräsidenten Noclás Maduro. Ihm schenkte er zum ersten Mal öffentlich sein Vertrauen.
Doch am kommenden Sonntag sind auch Kommunalwahlen in Venezuela. Mitten in diesem Wahlkampf verlässt der Kapitän das sinkende Schiff. Er muss wohl. Es ließ sich nicht mehr aufhalten. 
Man fragt sich, warum ein Staatpräsident zur medizinischen Behandlung ins Ausland reist. Gibt es in Venezuela denn keine Fachärzte?
    Das Ganze ist ein politisches Geschehen. Venezuela als Kontrapartner zu den USA unterstützt Kuba nach Kräften und nicht nur Kuba, sondern auch Nicaragua. Beide Länder hängen von den Ölmilliarden Venezuelas ab. 120.000 Barrel Rohöl gehen täglich nach Kuba. Und man fragt sich, wie Kuba das bezahlen kann.
Und die Währung sind nicht US-Dollars. Kuba zahlt mit menschlichem Kapital. Es sendet Ärzte nach Lateinamerika. Bekanntlich ist das Ausbildungssystem für Mediziner in Kuba ausgefeilt. Auch viele Latinos aus anderen Ländern studieren dort. Und der Karibikstaat sendet hunderte, ja tausende Mediziner. Sie arbeiten im jeweiligen staatlichen Gesundheitssystem, verdienen aber nur einen geringen Lohn aber immerhin viel mehr als zuhause. Die Differenz wird Kuba zum Vorteil angerechnet - Bezahlung für Erdöl.
Und die kubanischen Ärzte kommen wohl gerne, können sie hier mit dem geringen Lohn mehr anfangen als zuhause. Viele von ihnen wollen für länger oder immer hier bleiben. Die Türen stehen ihnen offen. Derzeit such Ecuador ebenfalls die Hilfe dieser Mediziner. Unser Präsident Correa hat sich ebenfalls wegen seiner Knieprobleme auf der Karibikinsel Kuba seinerzeit in Behandlung gegeben. Die letzte und wichtigste Operation, eine Kniegelenksprothese ließ er aber dann doch hier im Lande durchführen, im Krankenhaus des staatlichen Sozialsystems - aber von einem Arzt eines privaten Krankenhauses.
Ist es ein Zufall, dass sich unser Präsident zu einem Kurzbesuch in Kuba einfand, um Chávez vor der Operation seine Genesungswünsche zu bringen und Kuba seine Solidarität zuzusichern und am nächsten Tag das Treffen mit dem einst feindlichen kolumbianischen Staatspräsidenten Manuel Santos an der Grenze zu Ecuador stattfand, seit Langem geplant?
    In Venezuela beten die Massen, einige von ihnen mit Chávez-Puppen im Arm. Aber Vieles scheint gesteuert durch die dortige Regierung. Hugo Chávez´ Zukunft ist unsicher, der Nachfolger - wird er stark genug sein, seinen Platz wirklich einzunehmen? Damit fällt auch für Kuba nach dem Fallenlassen durch die Sowjetunion ein wichtiger Geldgeber weg. Eine Region muss und wird sich ändern!